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Das Magazin von Volkswagen Financial Services.
  • 07.03.2019
  • 7 Minuten

Knutschkugel oder Rennsemmel: Was muss man beim Kauf des ersten Autos beachten?

Soll es gleich der aktuellste Wagen mit modernen (Sicherheits-)Features sein? Oder doch lieber der kultige Klassiker? Wenn es um das erste Auto geht, stehen Fahranfänger und Eltern vor vielen Fragen. Um Ihnen die Entscheidung zu erleichtern, haben wir mit Fahrlehrer Timo Jendritzki aus Braunschweig gesprochen.

Fahrlehrer Timo Jendritzki erzählt über das erste Auto

Was sollten Fahranfänger und Eltern bei der Anschaffung des ersten Autos grundsätzlich beachten?

Das ist eine schwierige Frage, denn jeder legt ja Wert auf etwas anderes. Prinzipiell rate ich eigentlich dazu, einen Kleinwagen zu kaufen. Denn damit ist vieles am Anfang deutlich einfacher. Und der Wagen sollte ein paar Sicherheitssysteme mit an Bord haben, die wir auch in der Ausbildung mitbenutzen und die des Öfteren schon mal geholfen haben. Das wäre so mein größter Tipp.

Was für welche zum Beispiel?

Gut wäre der Notbremsassistent – der ist ja mittlerweile bei vielen Autos sowieso Bestandteil der Serienausstattung. Auch der Tote-Winkel-Assistent ist, wie ich finde, immer ganz hilfreich. Und Park-Distance-Control – also Piepen vorne und hinten. Das sind so für mich die Sachen, die eigentlich an Bord sein sollten mittlerweile.

Sie sagten ja grade, dass diese Dinge mittlerweile in vielen Fahrschulautos auch drin sind. Da frag ich doch mal ein bisschen provokant: Lerne ich dann überhaupt noch richtig Fahren?

Wir haben nicht in jedem Auto alle Assistenzsysteme und ansonsten machen wir die auch teilweise gezielt aus. Also es ist nicht so, dass wir uns darauf verlassen, dass uns zum Beispiel der Tote-Winkel-Assistent etwas anzeigt.

Das heißt, der gute alte Schulterblick muss nach wie vor sein?

Der muss immer noch sein! Ohne den gibt es keinen Führerschein.

Mit einem Fahranfänger verbindet man ja häufig ein sehr günstiges, am besten schon ein bisschen verbeultes erstes Auto. So nach dem Motto: Bei einer ollen Gurke kann man nicht mehr viel verderben. Ist das heutzutage anders?

Also aus Fahrschülerkreisen hört man schon, dass auch ältere Wagen gekauft werden – aber nicht so wie früher. Ich glaube, als wir angefangen haben, da hatte man ja als erstes Auto immer eines, das so um die zehn Jahre alt war. Davon geht der Trend auf jeden Fall schon weg – weil der Markt es auch einfach hergibt. Man kriegt ja für eine relativ geringe Summe auch schon ordentlich was. Außerdem sind neuere Autos ja auch tendenziell sicherer. Ich glaube, so richtig alte Autos sind da mittlerweile nicht mehr so wirklich State of the Art.

Was würden Sie denn empfehlen: Neu- oder Gebrauchtwagen?

(lacht) Das ist schwer. Also ich will da glaube ich gar keine großartige Empfehlung aussprechen. Das ist am Ende ja auch immer eine Frage des Budgets. Also ich persönlich würde mir immer einen Neuwagen kaufen, weil ich es einfach schöner finde und ich mir das aussuchen kann, was ich möchte. Das gibt der Gebrauchtwagenmarkt ja nicht immer her. Aber wer Abstriche machen kann und will, kann dann natürlich auch immer gut einen Gebrauchtwagen kaufen.

Was muss ich denn als Fahranfänger beim Fahrzeugmodell beachten? Sie haben ja schon gesagt, man sollte sich eher auf einen Kleinwagen fokussieren. Was ist denn mit anderen Sachen wie der Fahrleistung zum Beispiel?

Ich würde auf jeden Fall kein zu gering, aber auch kein zu stark motorisiertes Modell wählen. Viele sagen ja immer: ‚Gib´ dem Fahranfänger auf jeden Fall ein Auto, das ganz, ganz wenig PS hat!‘ Ob das die klügste Lösung ist, wag ich zu bezweifeln.

Warum?

Manchmal ist Gas geben eine Sache, die besser hilft als Bremsen. Zum Beispiel auf der Autobahn. Stellen Sie sich vor, ich möchte auf die Autobahn fahren und habe in der Fahrschule gelernt, dabei kräftig Gas zu geben. Und nun sitze ich in meinem Kleinwagen mit 40 PS und schaffe die 80 km/h gar nicht bis zum Ende des Beschleunigungsstreifens … Deshalb würde ich sagen, eine nicht zu geringe Motorisierung wäre auf jeden Fall ein Punkt, auf den man Wert legen sollte.

Was muss ich denn formal beachten? Stichwort: Papiere.

Man braucht eine ganze Reihe an Papieren. Zunächst ist die Frage, ob man das Auto selber zulässt. Viele Händler bieten ja mittlerweile auch einen Zulassungsservice an. Da ist natürlich angenehm. Und trotzdem muss ich einiges beachten: Ich brauche meinen Ausweis. Und ich brauche eine gültige Hauptuntersuchung.

Und natürlich brauche ich auch eine Versicherung. Dabei sollte man sich die Konditionen immer ganz genau angucken, um Überraschungen zu vermeiden. Ich hatte da zum Beispiel privat einen entsprechenden Fall: Der Versicherer sagte mir ‚Nee, das war Langhaarwild und Sie sind nur gegen Kurzhaarwild versichert! Deshalb schließen wir diesen Versicherungsfall aus.‘

Darüber hinaus brauche ich ein Bankkonto, um die Steuer einziehen zu lassen. Und ich sollte mir online einen Termin beim Straßenverkehrsamt buchen, wenn ich mein Auto selber anmelde. Sonst wartet man viel zu lange.

Apropos Versicherung. Allgemein tendieren ja viele beim Autokauf dazu, die laufenden Kosten zu unterschätzen. Was würden Sie Fahranfängern diesbezüglich mitgeben?

Ja, das stimmt. Viele sind zum Beispiel überrascht, wie viel die Versicherung bei manchen Autos kostet. Dabei kann man sich da ja im Vorfeld gezielt drüber informieren. Grade die klassischen Fahranfänger-Autos kosten in der Versicherung ja tendenziell mehr, weil ihre Unfallstatistik höher ist.

Man sollte sich also schon im Vorfeld einen guten Überblick über die Unterhaltskosten verschaffen. Denn es ist ja nicht so schön, wenn ich mir das Auto leisten konnte und dann hinterher dastehe und nicht mehr tanken kann oder Versicherung und Steuern zu teuer sind.

Wie finanzieren sich denn die Fahranfänger in der Regel das erste Auto? 

Es gibt ganz viele unterschiedliche Modelle, genau wie bei der Führerscheinfinanzierung. Bei manchen bezahlen das die Eltern. Teilweise haben Oma und Opa schon seit der Geburt Geld dafür zurückgelegt. Einige Fahrschüler sind sehr ehrgeizig und sparen sich den Führerschein selber zusammen. Und genauso unterschiedlich ist das beim Autokauf dann am Ende auch. Manchmal vermachen die Eltern dem Fahranfänger auch ihr altes Auto und kaufen sich dann selbst ein neues.

Wie kann ich denn grundsätzlich beim Kauf eines Autos sparen?

Im Prinzip kann man ja nur sparen, wenn man Preise vergleicht und dann auch noch gut verhandelt. Man sollte lange und intensiv suchen und dann das Beste für sich selbst raussuchen, ein bisschen nachverhandeln und dann klappt das eigentlich auch ganz gut.

Kinder fahren in ihrem ersten Auto

Das klingt aufwendig – vor allem, wenn man als Fahranfänger noch keine Erfahrung hat.

Absolut. Da sollte man sich auf jeden Fall jemand Erfahrenen an die Seite nehmen, der mir hilft. Entweder habe ich im Freundes- oder Bekanntenkreis jemanden, der sich auskennt. Ansonsten kann ich zum Beispiel auch während der Probefahrt mal zu einem Sachverständigen fahren und fragen, ob er einen Blick auf das Auto werfen kann, um zu sagen, ob es den Preis wert ist. 

Kann ich denn als Fahranfänger einfach so eine Probefahrt machen? 

Ja klar. Da sollte nichts gegen sprechen, solange man volljährig ist. Gut, ich glaube nicht, dass ein Händler dem Fahranfänger gleich einen 100.000-Euro-Wagen mitgibt, aber ansonsten sollte es da wenig Probleme geben. Die wollen ja auch etwas verkaufen. (lacht)

Wollen denn eigentlich noch viele Fahranfänger ein eigenes Auto haben?

Es kommt drauf an, wo die wohnen. Also ich glaube, dass diejenigen, die in der Großstadt wohnen, gar nicht mehr so viel wert auf Führerschein und Auto legen. Das ist für die mehr so eine gesellschaftliche Konvention geworden: ‚Ich muss den Führerschein machen für meine Ausbildung und den Job hinterher.‘ Aber dahinter steht nicht mehr so der Drang, ein eigenes Auto zu besitzen.

Anders ist es, wenn jemand auf dem Dorf wohnt und jeden Morgen 20 bis 30 Minuten in die Stadt fahren muss. Da sind alle Kids bemüht und sagen: ‚Okay schnell den Führerschein! Schnell ein eigenes Auto!! Damit ich loskomme von Bus und Fahrrad!‘

Aber in Großstädten sehe ich die Tendenz eher weg vom eigenen Auto.

Und wird dann auch der Führerschein immer weniger oder später gemacht?

Viele setzen sich immer noch das Ziel, bis zu ihrem 17. beziehungsweise 18. Geburtstag fertig zu sein und arbeiten auch darauf hin. Aber mittlerweile ist das wirklich bunt gemischt. Ich bemerke, dass das Publikum deutlich älter geworden ist als früher, wo nur 17- und 18-Jährige hier saßen und den Führerschein gemacht haben. Das kommt daher, dass der Führerschein nicht mehr die Stellung hat, die er früher hatte.

Hinzu kommt, dass immer mehr Fahrschüler bei Prüfungen durchfallen und damit tendenziell auch mehr Zeit in den Fahrschulen verbringen. Hat das auch Auswirkungen auf das Verhalten der Fahranfänger hinsichtlich ihres ersten Autos? Werden sie sicherer, weil sie länger lernen, oder schürt das vielleicht sogar die Unsicherheit und damit Angst vorm Fahren? 

Also einen Einfluss hat auf jeden Fall das Modell „Führerschein ab 17“. Dazu rate ich jedem. Das hat viel gebracht. Mehr Sicherheit durch mehr Fahrpraxis.

Trotzdem ist die Zahl der Durchfaller tatsächlich gestiegen. Das liegt meiner Meinung aber vor allem daran, dass unser Straßenverkehr sehr viel komplexer geworden ist.

Wenn ich mir meine Fahrschüler heute angucke, dann sind die viel, viel selbstständiger als ich mit 17 oder 18. Die sind auf jeden Fall deutlich organisierter. Der Terminplan ist bei ihnen auch einfach deutlich voller geworden als vor 15 oder 20 Jahren, als ich zur Schule gegangen bin. Da war es ja noch so, dass man bis 13 oder 14 Uhr Schule und danach Schluss hatte. Die haben ja jetzt bis 17 und auch teilweise 18 Uhr Schule und machen dann noch im Anschluss den Führerschein.

Die höhere Durchfallquote liegt also vermutlich daran, dass die Fahrschüler einerseits zeitlich manchmal überfordert sind und andererseits immer mehr Autos unterwegs sind. Das macht das ganze System komplexer. Außerdem sind die Prüfungen an sich in den letzten zehn Jahr auch schwerer geworden.

Wieso?

Weil die Ansprüche der Prüfer auch gewachsen sind. Es gab eine Zeit lang immer mehr Verkehrsunfälle. Und das ist wohl die Antwort darauf: das Ziel, dass wir nur noch 100 Prozent sichere Autofahrer haben.

Also würde ich mit meinem Rechtsdrall, den ich in meiner Fahrschulzeit hatte, vielleicht nicht mehr bestehen?

(lacht) Das kommt darauf an, wie weit der ging. (lacht) Den haben auch heute immer noch alle. Aber ansonsten sind die Fahrschüler nicht schlechter als noch vor ein paar Jahren.

Und trotzdem entscheiden sich immer mehr junge Leute gegen ein Auto. Ist das nicht auch kontraproduktiv, da man weniger Fahrroutine bekommt?

Die Technik ist eigentlich wie Fahrradfahren. Das verlernt man nicht. Wir haben immer wieder Fahranfänger, die hier zwei Jahre verbringen, weil sie zum Beispiel ihr Studium priorisieren und nicht dazu kommen, Fahrstunden zu nehmen. Dann machen sie ein halbes Jahr Pause, steigen wieder ein und sagen: ‚Oh Gott, ich kann gar nichts mehr‘ und nach zehn Minuten merken sie: ‚Oh, es funktioniert ja doch noch alles.‘

Aber grundsätzlich braucht man beim Autofahren natürlich schon ein bisschen Routine, damit man alle Situationen mal gesehen hat. Es gibt ja so die Faustregel, dass man ein guter Autofahrer ist, wenn man sieben Jahre am Stück oder 100.000 Kilometer gefahren ist. Dann soll man nahezu alles mal erlebt haben.

Das spricht ja ganz klar für ein eigenes oder zumindest ein regelmäßig verfügbares Auto von Beginn an.

Ja, also es ist schon kontraproduktiv, einen Führerschein zu machen und ihn dann zehn Jahre nicht zu nutzen.

Alles klar. Vielen Dank für Ihre Einschätzungen.

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