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Das Magazin von Volkswagen Financial Services.
  • 30.04.2021
  • 5 Minuten

Henning Scherf: „Es sollten viel mehr Leute in Mehrgenerationenhäusern leben.“

Singlehaushalte, kinderlose Paare alleine in großen Häusern, ältere Menschen im Heim – die Trendwende vom gemeinsamen Wohnen über alle Generationen hinweg zur Zersplitterung der Kernfamilie auf viele Wohnorte ist nicht neu – die Effekte aber verändern sich sukzessive. So entdecken immer mehr Menschen neue Wohnformen für sich – dann wohnt man vielleicht nicht mehr mit der eigenen Oma oder den erwachsenen Kindern unter einem Dach, aber mischt sich zumindest mit den verschiedensten, wenn auch nicht verwandten, Menschen aus den unterschiedlichen Altersgruppen. Bremens Ex-Bürgermeister Henning Scherf zum Beispiel wohnt seit mehr als 30 Jahren in so einem Mehrgenerationenhaus und berichtet uns von seinen Erfahrungen mit dieser besonderen Wohnsituation.

Henning Scherf sitzt in Bibliothek

Foto: Senatskanzlei, Anja Raschdorf

Der ehemalige Bremer Bürgermeister gestaltet sich das Alter bunt.

Mitten in Bremen, irgendwo zwischen Hauptbahnhof und alternativer Ausgehmeile steht es, das Scherfsche Domizil: Elf Menschen im Alter von einem halben Jahr bis 83 Jahre wohnen zusammen auf mehreren Etagen mit mehreren Wohneinheiten, durch die sich eine Wendeltreppe hangelt. Und das Ehepaar Scherf ist mit dabei: Seit mittlerweile 33 Jahren wohnt Henning Scherf, der ehemalige Bremer Bürgermeister und Präsident des Senats, mit seiner Frau in der von ihm so deklarierten „qualifizierten Hausgemeinschaft“. Die beiden sind damit sogar Teil der Gründungsmitglieder, wenn nicht gar Hauptinitiatoren der WG.

Die Ideenreifung für das Hausprojekt war laut Scherf ein langer und lebendiger Prozess – den Startschuss gab Anfang der 80er die Tatsache, dass alle Kinder der Scherfs ausgezogen waren und das Haus auf einmal sehr groß und leer wirkte. Schnell fanden sich im näheren Freundeskreis Leute in ähnlichen Lebenslagen. Man tauschte sich aus und entschied schlussendlich zusammenzuziehen.

Um 1987 herum fanden Scherfs und ihre designierten Mitbewohner dann das passende Haus „Das Haus ist sehr verwinkelt und reizvoll aufgebaut“, schwärmt der ehemalige Bürgermeister. Ein Jahr später zog die Hausgemeinschaft ein: „Wir haben erst noch alles sehr liebevoll entsprechend unser aller Wünsche und Bedürfnisse umgebaut“, erklärt Scherf. Und obwohl das Haus für manche ein Kompromiss war – „Wir wollten gerne eine gemeinsame Küche und ein gemeinsames Esszimmer haben, aber das fanden nicht alle gut“ – schaffen es alle bis heute, ein lebendiges Miteinander zu gestalten und immer füreinander da zu sein. 

Gemeinsam statt einsam: Wie wohnt es sich in der Mehrgenerationen-WG?

„Ich bin überrascht, dass wir in all den Jahren überhaupt keinen Frust hatten und finde unser Projekt bis heute ziemlich gelungen“, meint Henning Scherf und gibt damit einen Eindruck, wie sehr alle Beteiligten von dieser Art des Zusammenwohnens profitieren. „Wir kümmern uns rührend umeinander und wissen ziemlich genau, wem es gut geht und wem nicht. Wir verlassen uns nach so vielen gemeinsamen Jahren sehr aufeinander und haben das Miteinander auch noch mal intensiviert.“


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Und so hat jeder in der Wohngemeinschaft zwar seine eigenen Räumlichkeiten samt Küche und Bad, aber über eine gemeinsame Treppe kann man alle Wohneinheiten besuchen und es werden immer wieder Anlässe geschaffen, in denen alle Mitbewohner zusammenkommen.

Man könnte meinen, dass in einem Mehrgenerationenhaus die Leute irgendwann genug voneinander haben und sich dann bewusst zurückziehen – das mag auch im Hause Scherf bisweilen passieren, aber im Großen und Ganzen scheint man gar nicht genug Zeit miteinander verbringen zu können: „Durchs Haus zu gehen ist so alltäglich – von morgens bis abends besucht man sich. Ich weiß immer, wer wann schläft und wann jemand Gesellschaft vertragen kann. Das ist eine raffinierte Mischung, in der wir da leben. Man ist nicht alternativlos voneinander abhängig – aber man will sich immer wieder verbinden. Es ist jedes Mal eine Entscheidung füreinander“, fasst Scherf zusammen.

Und so kocht und feiert man regelmäßig gemeinsam und macht größere Radtouren an der Elbe oder Weser entlang – mittlerweile fahren Scherfs und ein paar andere Mitbewohner dabei mit dem Elektrofahrrad. Und mindestens einmal im Jahr fahren alle Mitbewohner sogar geschlossen in den Urlaub – zum Beispiel in ein gemeinsames Haus in der Eifel, das zusammen bewirtschaftet wird.

„Ich würde gar nicht mehr anders leben wollen“, sagt Scherf. Und das, obwohl man neben den vielen tollen gemeinsamen Erlebnissen auch Leid erfährt. So kam es im Laufe der Jahre naturgemäß vor, dass der ein oder andere Mitbewohner Unterstützung brauchte, weil er schwer erkrankte oder einen Unfall hatte. Und auch Todesfälle gab es in all den Jahren natürlich schon: „Wir haben bereits drei Sterbefälle begleitet. Die werden dann hier im Haus bis zum Schluss umsorgt – das gehört dazu. Wir sind eine Gemeinschaft – in guten wie in schlechten Tagen. Wir teilen auch die schmerzlichen Momente.“

Und da wo der eine geht, kommen neue Menschen hinzu. So zog kürzlich ein verwitweter Freund in die Haus-WG ein und lernte kurz darauf bei der Hochzeit einer Mitbewohnerin seine neue Lebensgefährtin kennen, die nun zumindest teilweise auch mit im Bremer Mehrgenerationenprojekt wohnt.

Zudem freundete sich die Haus-WG mit einer nigerianischen Mutter und ihren drei Kindern an, die vor ein paar Jahren als Geflüchtete in Bremen ankamen. Die Kinder gehen im Haus ein und aus und machen mit den Erwachsenen dort ihre Hausaufgaben. Ab und zu wird gemeinsam gekocht.

Natürlich geht manches in Zeiten von Corona nicht mehr so wie früher – „leider, leider, leider“. Aber man versucht, das Beste draus zu machen. Die Älteren in der WG sind zum Glück alle schon geimpft und so sieht Henning Scherf für sich auch positive Effekte durch die Pandemie: Er habe mittlerweile zum Beispiel das Kochen für sich entdeckt und betreibe es leidenschaftlich: „Wir sind richtige Gemüseleute geworden und ich lasse beim Kochen meiner Fantasie freien Lauf“, lacht Henning Scherf. Der ehemalige Bürgermeister war früher viel unterwegs – unter anderem, um von alternativen Wohnprojekten fürs Alter zu berichten und sein Buch „Grau ist bunt“ vorzustellen, – und sagt von sich, dass er in der Pandemie so häuslich wie noch nie geworden ist: „Ich hatte früher bis zu 200 Vortragstermine im Jahr in der ganzen Republik. Ich habe immer nur über unser Mehrgenerationenprojekt geredet und die anderen haben es gelebt. Die Pandemie hat mich so richtig reingeschubst in das schöne Projekt, das wir hier haben und ich bin dankbar für den Schubs von außen.“ 

Illustration Mehrgenerationenhaus

Und das liebe Geld? Wir finanziert man das Zusammenleben?

Die Finanzierung der Immobilie haben in den 80ern ein paar der Mitbewohner gemeinsam gestemmt. So kaufte man das Haus und die dazugehörigen 1.450 Quadratmeter Grundstück damals für 500.000 DM mit den Erlösen aus dem Verkauf der zuvor bewohnten Immobilien. Und wer kein eigenes Budget einbringen konnte, zog am Ende als gleichberechtigter Mieter ein.

Der Umbau des Hauses wurde dann über Kredite finanziert, die man im Laufe der Jahre gemeinsam getilgt hat. Reparaturen am Haus werden bis heute aus einem extra aufgestellten Hausfonds beglichen und die allmonatlichen Nebenkosten bezahlt jede Wohneinheit für sich. Das wird alles einzeln abgerechnet. Und wenn es um gemeinsame Aktivitäten geht, zahlt jeder seinen Anteil oder man lädt sich reihum ein: „Also, wir haben hier keinen Teller an der Tür stehen, wo man regelmäßig seinen Obolus erbringen muss. Das Finanzielle läuft insgesamt sehr informell – wenn wir zusammen was planen, dann gibt es nachher keine spitz abgerechneten Kostenaufstellungen, sondern da kann man auch großzügig sein.“

Fazit: „Eine Empfehlung für alle.“

„Das Leben in einem Mehrgenerationenhaus ist eine wunderbare Erfahrung und ich wünschte, dass sich das rumspricht und häufiger gemacht wird. Für uns ältere Leute ist das doch viel attraktiver als irgendwann ins Heim zu kommen“, resümiert Henning Scherf und empfiehlt allen, die mit dem Gedanken spielen, im Alter eine alternative Wohnform für sich auszuprobieren, mal bei der Stiftung Warentest nachzulesen. Und auch wir haben noch einen Ratgeber zum Thema veröffentlicht, der noch einmal wichtige Punkte zusammenfasst, die man wissen sollte, bevor man sich in das Abenteuer Mehrgenerationenhaus stürzt. Schauen Sie mal rein, werden Sie Teil einer wachsenden Szene und gestalten auch Sie sich Ihr Alter bunt.

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