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Das Magazin von Volkswagen Financial Services.
  • 10.01.2019
  • 7 Minuten

Impulskauf war gestern: Frugalisten feiern den bewussten Konsum.

Ihr Job macht Ihnen zwar Spaß – aber manchmal haben Sie schon das Gefühl, eher nur zu leben, um zu arbeiten als umgekehrt? Sie würden sich wünschen, ein finanzielles Polster zu haben, das es Ihnen erlaubt, nur noch dann arbeiten zu müssen, wenn Sie auch wirklich Lust dazu haben? Das dachte sich auch Oliver Noelting und verschrieb sich getreu dem Motto „Hasta la vista Hamsterrad!“ dem Frugalismus. Wir haben Oliver einen Tag lang begleitet und hautnah erfahren, was Frugalismus ist und wie Olivers Leben aussieht.

Frugalist Oliver Noelting fährt Fahrrad, um Geld zu sparen

Das Fahrrad als Sinnbild des Frugalismus.

Klirrend klimpern die Schlüssel am Bund und das Schloss lässt sich – zäh und steif vor Kälte – nur mühsam um den Rahmen winden. Es ist Freitag – und freitags hat Oliver Noelting immer frei. Heute Abend bekommt er Gäste und will einkaufen gehen. „Das Fahrrad ist irgendwie das Symbol schlechthin für den Frugalismus“, bemerkt der 30-Jährige und schiebt seinen Drahtesel vom Hinterhof durch den Flur seines Mehrfamilienhauses. Die Reifen des Frugalismus-Symbols drücken derweil herumliegende Werbeprospekte platt.

Aber Moment: Fruga…was? Das Wort leitet sich vom englischen Begriff „frugal“ ab, was so viel wie „genügsam“ oder auch „sparsam“ bedeutet. Menschen, die sich dem Frugalismus verschrieben haben, nennen sich Frugalisten. Und Oliver Noelting ist einer von ihnen – wenn nicht gar der bekannteste in Deutschland. Aber warum passt das Rad so gut zum Frugalismus? Ganz einfach: Weil es seinen Besitzer kostengünstig von A nach B transportiert und nebenbei noch umweltschonend ist. Das perfekte Sinnbild für eine genügsame Lebensweise also.

Seit 2013 lebt Oliver Noelting als Frugalist. In seinem Blog legt er seit 2015 all seine Einnahmen und Ausgaben centgenau offen – als Orientierung für all diejenigen, die sich für seinen Lebensstil interessieren. Aber wie sieht er denn eigentlich genau aus, der Lebensstil eines Frugalisten? Der Slogan von Olivers Blog stiftet in der Sache eher Verwirrung, als dass er für Aufklärung sorgt: „Reicher leben“ steht da unter dem Wort Frugalismus, das wir gerade noch mit der Sparsamkeit assoziiert haben. Wie geht das denn? Sparsame Menschen, die reicher leben? Wagen wir einen Annäherungsversuch und begleiten Oliver weiter durch seinen Tag.

Frugalismus gibt es in unterschiedlichen Ausprägungen. 

Mittlerweile ist Oliver am Supermarkt angekommen: ein klassischer Markt mit einer preislich und qualitativ großen Bandbreite an Lebensmitteln und anderen Alltagsgütern. Kein Discounter. Oliver schließt sein Rad an und läuft schließlich gezielt und mit Einkaufszettel bewaffnet durch die Supermarktregale.

Entgegen der sich schnell aufdrängenden Vermutung, Frugalisten würden krampfhaft auf alles Schöne verzichten, betont Oliver, dass seine Art zu leben keine geizige sei. Frugalisten entscheiden sich ganz bewusst für oder eben gegen Konsum und kaufen nur Dinge, die sie wirklich brauchen oder die sie guten Gewissens besitzen möchten.

„Es gibt da in der Community ganz unterschiedliche Leute mit einer ganz unterschiedlichen Bandbreite von Besitztümern“, erklärt Oliver und zieht eine Packung Biomehl aus dem Supermarktregal. „Frugalismus kann also bei jedem anders aussehen, da jeder auf andere Dinge wert legt beziehungsweise andere Dinge im Leben braucht.“ Mittlerweile sind wir in der Gemüseabteilung angekommen und Oliver sucht die schönsten Tomaten heraus. Er wird heute Abend ein vegetarisches indisches Gericht für seine Gäste kochen.

Oliver führt den eben begonnenen Gedanken fort: „Ich selbst benötige nicht viel und ich würde auch ohne Frugalismus sehr sparsam leben, da es mir nicht schwerfällt. Dass ich dadurch nebenbei noch Geld zurücklegen und investieren kann und früh im Leben eine finanzielle Unabhängigkeit erreichen kann, ist ein angenehmer Nebeneffekt.“

Frugalist Oliver Noelting sitzt vor Tabelle und rechnet Erspartes aus

Gut und günstig: Passt besser zusammen, als man denkt.

Der Einkauf landet auf dem Kassenband. Piep, piep, piep … 9,35 Euro erscheinen auf der Anzeige. Das ist günstig für ein Abendessen für vier Personen. „Zugegebenermaßen habe ich natürlich einige Zutaten noch zu Hause – die Gewürze zum Beispiel. Die kaufe ich immer in großen Mengen. Aber grundsätzlich koche ich gerne indisch. Das ist immer lecker und selten teuer.

Eines der Hauptmissverständnisse im Hinblick auf Frugalismus ist wohl die Annahme, Frugalisten würden einfach so 20 bis 25 Jahre früher in Rente gehen als der typische Arbeitnehmer und dann ins selige Nichtstun übergehen. „Mein Ziel ist es gar nicht, ab 40 nur noch faul rumzuliegen“, lacht Oliver. „Ich würde mich allerdings freuen, wenn ich dann eine finanzielle Unabhängigkeit erreicht hätte und nur noch dann arbeiten müsste, wenn ich auch Lust habe“, erklärt der 30-Jährige. Ein sinnvoller Weg, wie die Wissenschaftler Richard M. Ryan und Edward L. Deci herausgefunden haben: Nach ihrer Selbstbestimmungstheorie braucht jeder Mensch eine gewisse Form der Kompetenzerfahrung , um glücklich zu sein. Das bedeutet: Jeder Mensch möchte sich gebraucht fühlen.

Klingt ja alles nach einem attraktiven Plan, den Oliver Noelting da hat … Aber was, wenn zum Beispiel – bewusst provokant gefragt – die Börse crasht und alle Anlagen futsch sind? „Na dann crasht sie halt – was soll ich tun …? Das ändert ja nichts an meiner grundsätzlichen Lebenseinstellung“, hält der Frugalist erstaunlich gelassen fest.

Ausgefülltes Leben abseits von Schlagzeilen und Vorurteilen.

„Rente mit 40“ – die beim Thema Frugalismus viel eingesetzte Schlagzeile zieht natürlich Aufmerksamkeit, die der Frugalismus-Bewegung zwar nicht unrecht ist, aber auch ein falsches Licht auf sie wirft: „Es kommt häufig der Irrglaube auf, dass wir alle uns komplett beschneiden. Natürlich spare ich ein Stück weit auf eine ungewisse Zukunft, aber ich lebe ja auch im Hier und Jetzt.“ So pflegt Oliver Hobbys – zugegebenermaßen sind es mit Skateboardfahren, Gitarrespielen und Kochen sehr günstige Beschäftigungen –, die ihn nach eigener Aussage „nichts vermissen lassen“. Nicht zuletzt dadurch habe er absolut nicht das Gefühl, auf irgendetwas verzichten zu müssen oder gar seine jungen Jahre nicht richtig auszukosten.

Frugalist Oliver Noelting vor seinem Computer

Sparsamkeit meets Leichtigkeit: Man muss Job und Freiheiten kombinieren.

Oliver Noelting arbeitet mittlerweile in Teilzeit 24 Stunden die Woche bei einer Software-Agentur in Hannover und nimmt nebenbei auf freiberuflicher Basis Jobs als Programmierer an. Das ist neu. Bis vor Kurzem hat er noch Vollzeit als festangestellter Entwickler gearbeitet und sich dann bewusst für eine Stundenreduktion entschieden.

Es klingt angesichts dieser Tatsache vielleicht überraschend, wenn Oliver sagt: „Mein einziger Kompromiss für die perspektivische finanzielle Unabhängigkeit ist, dass ich zurzeit mehr arbeite, als ich eigentlich müsste.“ Schaut man sich dann aber Olivers Finanzen an, dann erkennt man schnell, dass er mit wenig klarkommt. So gibt der 30-Jährige – alle Fixkosten eingerechnet – monatlich insgesamt nur um die 700 Euro aus und spart damit gut 70 Prozent seines Einkommens. Zusätzlich hat er ein umfangreiches Investment-Portfolio aus verschiedenen ETFs. „Mittlerweile habe ich so viel gespart, dass ich mir locker von jetzt auf gleich zwei Sportwagen kaufen könnte“, scherzt der 30-Jährige und fügt hinzu, was man schon hat erwarten können: „Aber das will ich gar nicht!“ Dabei war diese Art des Denkens Oliver nicht schon immer präsent. Auch er träumte die klassischen Konsumträume:

„Eigentlich war mein permanenter Gedanke: ‚Und was kaufst du als Nächstes?‘“, lacht der Frugalist. Er habe über freiberufliche Entwickler-Jobs schon früh gut verdient und das Geld sei halt dagewesen. Seine damalige Schlussfolgerung: Man muss es ausgeben.

Zum Umdenken brachte ihn ein Freund, der sehr regelmäßig und konsequent von den frugalistischen Gedanken des kanadischen Bloggers Peter Adeney alias Mr. Money Mustache sprach. Anfänglich noch skeptisch begann Oliver Noelting, sich mehr und mehr mit dem Gedankengut des „Schnurrbartmanns“ auseinanderzusetzen und stieß auf den Ursprung des Frugalismus: In dem Buch „Your Money or your Life“ haben die Autoren Vicki Robin und Joe Dominguez schon Anfang der 1990er die grundlegenden Gedanken festgehalten, die später in der Frugalismus-Bewegung eine Rolle spielen sollten.

Mit dem Frugalismus das Beste aus sich selbst machen.

Im Grunde könnten alle Menschen Frugalisten sein, findet Oliver, denn: „Letztlich wollen wir alle nur mehr in uns reinhorchen und Konsum sehr reflektiert gestalten. Nicht mehr so impulsiv Dinge kaufen, sondern überlegter sein. Ich möchte am Ende nur das Beste aus meinem Leben machen – und das ist doch eine sinnvolle Lebensphilosophie, die für die meisten Menschen gelten könnte, oder?“, fasst Oliver zusammen.

Und doch muss er zugeben, dass er sich manchmal noch zu Impulskäufen hinreißen lässt: „Gestern erst hab´ ich mir spontan eine Portion Pommes gekauft. Das roch einfach so gut und ich dachte ‚Oh geil, Pommes!‘“, grinst Oliver und fügt schnell hinzu: „Aber Materielles kaufe ich nie aus einem Impuls heraus.“ Im Gegenteil: Ob er sich etwas zulegt, entscheidet er reiflich. „Ich will den ganzen Plunder einfach nicht haben. Ich will auch keine Geschenke zum Geburtstag oder zu Weihnachten“, erklärt Oliver. „Außer ´ne gute Flasche Whisky vielleicht“, fügt er schmunzelnd hinzu und verknetet das eben gekaufte Mehl mit Salz, Olivenöl und Wasser zu einem Teig für indische Chapati.

Idealerweise sollte man für diese Art Lebensstil auch ein gewisses Minimum an Nettogehalt mitbringen, um überhaupt etwas zurücklegen zu können. Das ist auch Oliver Noelting bewusst. Die grundsätzliche Lebensphilosophie, nichts Unnötiges zu kaufen, kann sich hingegen jeder zu eigen machen.

Oliver Noelting jedenfalls setzt seinen Lebensstil konsequent und mit einer überraschenden Leichtfüßigkeit um. Sogar, wenn es um des Software-Entwicklers wichtigstes Werkzeug geht: seinen Computer. Dabei wäre er da beinahe auf Abwege geraten … Vor ein paar Jahren hatte Oliver sich schon sein Traummodell herausgesucht und beinahe gut 1.000 Euro dafür auf den Tisch gelegt. „Meine Freundin hat dann im letzten Moment gesagt ‚Das ist aber ganz schön viel Geld. Findest du nicht einen gebrauchten, der ähnlich gut ist?‘ Und tatsächlich: Ich habe mich ein wenig weiter umgeguckt und am Ende einen sehr guten gebrauchten Laptop für 200 Euro gekauft.“ Mit dieser Strategie kam er 2018 auf eine durchschnittliche Sparquote von 67,86%.

Abschied und guten Appetit!

Gleich wird es an der Tür klingeln und Oliver kann seine Gäste in Empfang nehmen: Zeit für uns zu gehen. Ein kurzer abschließender Blick ins Bad bleibt an einem Bro´Sis-Plakat hängen. Ist man da in Sachen Deko im Hause Noelting etwa doch sparsamer als nötig? Getreu dem Motto: Was Anfang der 2000er funktioniert hat, geht jetzt auch noch klar? Natürlich nicht! „Das ist ein Relikt aus dem Jugendzimmer meiner Freundin und wir haben es nur aus Spaß aufgehängt“, lacht Oliver. Puh …

Na dann: Danke, Oliver, für die Einblicke in die Frugalismus-Welt. Und falls Sie wissen wollen, wann genau Sie mit Ihrer persönlichen Sparrate in Rente gehen dürfen, dann können Sie sich das hier ausrechnen. 

 
Ein kleiner Tipp in eigener Sache. 

Falls Sie Ihrer Sparrate ein wenig auf die Sprünge helfen wollen, dann schauen Sie sich doch mal die Sparprodukte der Volkswagen Bank an. Vielleicht ist ja etwas Passendes für Sie dabei.

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