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Das Magazin von Volkswagen Financial Services.
  • 08.11.2018
  • 4 Minuten

Quereinstieg IT: Ein spannender Karriereweg.

Zwei Herzen in einer Brust: Das eine schlägt für Ethik, Rationalismus und Scholastik, das andere für Codes, Bits und Bytes. Wie daraus eine Karriere wurde? Erfahren Sie mehr über den Quereinstieg eines Geisteswissenschaftlers in die IT.

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Ein Mann, zwei Leidenschaften.

Die Sonne fällt durchs Fenster auf einen Schreibtisch aus schwerem, dunklem Holz. Darauf stehen ein Laptop und ein gerahmtes Foto mit einem grinsenden Mädchen und einer jungen Frau. Der Blick wandert weiter über den gut gepolsterten Schreibtischstuhl hin zum Bücherregal: Nietzsche, Kant, Sartre, Java Syntax Reference, Habermas – Stopp – Java?

Das Büro von Daniel Weber* vereint zwei Welten miteinander: Der studierte Philosoph arbeitet heute als Softwareentwickler. „Das war schon eine interessante Reise“, sagt der 39-Jährige, zieht das bärtige Kinn kraus und fährt sich mit der Hand durch das etwas schüttere Haar.

Die Entscheidung für Philosophie.

In der Oberstufe führte Weber die Diskussionen im Politik-, Philosophie- und Geschichtsunterricht an und erntet nun Bestnoten für sein Engagement. Die 14 Punkte in Mathe registrierte er mit etwas Genugtuung. „Ich war nie schlecht in Mathe, habe mich aber in der Oberstufe überhaupt nicht mit meinem Lehrer verstanden“, erzählt Weber. „Ich habe den Spaß am Fach verloren und mich im Unterricht zurückgezogen. Als es um die Abiturprüfung ging, wollte ich mir einfach beweisen, dass ich es kann. Dann war das Thema Mathe für mich erstmal gegessen.“

So entschied sich Weber für ein Philosophie-Studium. Mit schweren Büchern und einem Block für Notizen in der Tasche ging es in die Vorlesungssäle und im Anschluss zur nächstbesten Studentenparty. „Als Philosophie-Student ist man redselig – besonders nach ein paar Bieren – und lernt schnell neue Leute kennen. An einem Abend traf ich diese Gruppe Informatiker“, erinnert sich Weber.

  • Name redaktionell geändert

Das Feuer für IT ist entfacht.

„Diese Gruppe Informatiker“ mauserte sich schnell zu engen Freunden Webers. Gemeinsame LAN-Partys, ausschweifende Kneipenabende und geteilter Prüfungsstress schweißten zusammen. Währenddessen erhielt Weber auch Einblicke in das Studienfach seiner Freunde – und war fasziniert. Von da an investierte er seine Freizeit ins Programmieren und brachte sich selbst einige Programmiersprachen bei.

Ein paar Semester später luden Webers Freunde ihn zu einem Hackathon der Uni ein. Bei einem Hackathon arbeiten Softwareentwickler an einem gemeinsamen Projekt, das nach der Veranstaltung – in diesem Fall nach einem Wochenende – fertig sein soll. „Ich war völlig aus dem Häuschen. Wir haben so viel Energie in das Wochenende gesteckt und am Ende standen wir tatsächlich mit einem funktionierenden Programm da“ – der 39-Jährige zieht die Augenbrauen hoch, während er sich zurückerinnert.

Nach diesem ersten Einstieg engagierte sich Weber weiter in Open-Source-Projekten. Bei diesen Projekten ist der Quellcode eines Unternehmens öffentlich zugänglich und kann von freiwilligen Programmierern eingesehen und weiterentwickelt werden.

Erste Berufserfahrung – als Geisteswissenschaftler.

Fragt man ihn nach den ersten Jahren des Balanceakts zwischen Sinnfragen & Weltanschauung und Bits & Bytes, kneift Weber die Augen zusammen und erklärt: „Ich will hier nicht den falschen Eindruck erwecken. Während meiner ersten Versuche in der Softwareentwicklung brannte ich gleichzeitig für mein Philosophie-Studium. Die großen Fragestellungen der Menschheit und die verschiedenen Perspektiven darauf: Ich konnte es gar nicht abwarten, als Geisteswissenschaftler Geld zu verdienen.“

Nach dem Studienabschluss machte sich Weber auf Jobsuche – und wurde bitter enttäuscht. Es regnete Absagen. Weber ergatterte dann eine Stelle als Volontär in einem wissenschaftlichen Verlagshaus und stieg danach zum Lektor auf: „Schließlich konnte ich meine im Studium erlernten Fähigkeiten doch einsetzen: Hier einen Argumentationsfehler entlarven und dort dem Autor eine bessere Quelle vorschlagen. Das hat mir schon Spaß gemacht“, sagt Weber und lacht.

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Vom Headhunter entdeckt.

Währenddessen blieb das Programmieren Webers Hobby und er beteiligte sich weiter an Open-Source-Projekten. Das verkündet auch sein Profil in einem Karrierenetzwerk: „Da habe ich mir nicht viel bei gedacht. Sowas macht das eigene Profil eben lebhafter.“

Daraufhin wurde Weber von einem Headhunter angesprochen, ob er nicht als Freelancer an einem Projekt mitarbeiten wolle. „Meine ungewöhnliche Kombination an Kompetenzen habe ihn neugierig gemacht“, sagt Weber. „Später gab er zu, dass das Unternehmen händeringend nach geeigneten Mitarbeitern gesucht hat und ich als Quereinsteiger gar keine so schlechte Wahl war“, setzt er mit einem Augenzwinkern hinterher. Und das ist wahrscheinlich heute auch noch so: Laut Bitkom waren im Jahr 2017 55.000 Stellen für IT-Spezialisten unbesetzt. Das ist der Höchststand, seit die Studie 2008 gestartet wurde.

Nach dem ersten erfolgreichen Nebenjob als Programmierer und der ersten Kundenreferenz im Lebenslauf, suchte Weber aktiv nach Aufträgen: „Ich hätte nie gedacht, dass ich mit meinen laienhaften Programmierkenntnissen Geld verdienen kann – aber es hat geklappt“, freut er sich heute noch.

Zeit für Neues: Endgültiger Quereinstieg in die IT.

Nach ein paar Jahren als Lektor sah Weber keine Entwicklungschancen mehr für sich im Verlag. Die Idee, mehr aus seinem Nebenjob zu machen, reifte heran. „Um mich für anspruchsvollere IT-Projekte zu qualifizieren, wollte ich meine Fähigkeiten verfestigen und ausbauen.“

Für eine Weiterbildung kamen mehrere Wege in Frage: Ein zweites Studium, Fortbildungsangebote der Bundesagentur für Arbeit, diverse Kurse bei öffentlichen und privaten Anbietern. Weber entschied sich für einen Fernkurs neben seiner Anstellung als Lektor. „Ich habe zwar mit einigen Studiengängen geliebäugelt, wollte aber nicht wieder als Student leben. Den Kurs neben dem Job zu machen war anstrengend, hat mich aber finanziell entlastet“, erklärt Weber und wirft einen schnellen Blick auf das Foto seiner beiden Liebsten.

Mit dem Nachweis über seine Qualifikation in der Tasche und den Referenzprojekten als Aushängeschild machte sich Weber auf Jobsuche – und wurde fündig. „Meine Anfänge als Geisteswissenschaftler waren bei der Bewerbung kein Hindernis. Im Gegenteil: Sie würden zeigen, dass ich eine breite Bildung über Programmierkenntnisse hinaus habe.“

Jetzt ist Weber schon ein paar Jahre fest bei einem Softwareentwickler angestellt. Zuhause in seinem Arbeitszimmer nimmt er aber manchmal noch gerne seine Ausgabe von Kants Kritik der praktischen Vernunft aus dem Regal, lässt seine Finger über Bücher streifen, die er lektoriert hat und erinnert sich an seine Zeit als Geisteswissenschaftler. Im nächsten Moment sitzt er dann wieder voller Tatendrang am Laptop und schreibt Zeile um Zeile Code nieder. 

Erfolgreicher Quereinstieg in die IT: Kein Einzelfall.

Daniel Weber trifft in seinem Arbeitsalltag immer wieder auf Kollegen, die ähnliche Biographien haben wie er: „Wir Geisteswissenschaftler bringen eine ganz andere Denke mit als die IT-ler. Durch die unterschiedlichen Kompetenzen können wir uns alle in der Zusammenarbeit immer wieder gegenseitig bereichern.“

Der allgemeine Fachkräftemangel in der IT kann eine Chance für Quereinsteiger sein. Trotzdem müssen die Bewerber natürlich für den Job qualifiziert sein. Genau wie bei Weber helfen privates Interesse, Engagement in öffentlichen Projekten, Nebenjobs sowie Weiterbildungen, Umschulungen oder ein zweiter Abschluss.

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