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Das Magazin von Volkswagen Financial Services.
  • 11.10.2018
  • 14 Minuten

Testament und Erbe – Wissenswertes zur Vorsorge für den Nachlass.

Schon Benjamin Franklin wusste 1789: „Nichts in dieser Welt ist sicher, außer dem Tod und den Steuern.“ Und beides sind Themen, mit denen man sich gewöhnlich lieber spät als früh auseinandersetzt. Was Sie über die verschiedenen Formen für Ihr Testament, die so genannte „Verfügung von Todes wegen“, wissen sollten, worauf Sie achten müssen und warum es immer wichtiger wird, seinen Nachlass zu regeln, erfahren Sie in unserem Ratgeber.

Es wird mehr geerbt als je zuvor.

Allein im Jahr 2016 wurden laut den aktuellsten Erhebungen des Statistischen Bundesamts in Deutschland rund 109 Milliarden Euro an Vermögen und Vermögensgegenständen vererbt – Prognose: steigend. Laut dem deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW, 2017) könnte diese Summe in den kommenden Jahren durch die Generation der Baby-Boomer auf bis zu 400 Milliarden Euro klettern – jährlich.

Doch obwohl immer mehr vererbt wird, steigt die Anzahl der ordentlichen Testamente im Verhältnis dazu nur wenig. In einer Befragung gab nur jeder Vierte an, durch ein Testament über die Aufteilung seines Nachlasses zu verfügen. Das heißt, in drei von vier Fällen regelt im Zweifel die gesetzliche Erbfolge, wie der Nachlass aufgeteilt wird. Aber eins nach dem anderen. Die genauen Anforderungen und welche verschiedenen Formen des Testaments es gibt, erklären wir Ihnen hier im Detail.

Person schreibt Testament

Frieden durch Vorsorge oder: Warum ein Testament sinnvoll ist.

Wenn es darum geht, den Nachlass aufzuteilen, endet das nicht selten im Erbschaftsstreit – böses Blut, teure Anwälte und Stress. Bei vielen Erbschaften kommt es zum Zwist. Denn wenn sich ein Teil der Hinterbliebenen benachteiligt sieht, gerät beim Streit ums Geld schnell der Familienfrieden in Gefahr.

Das kann der Oldtimer sein, der schon Jahre zuvor einem anderen Familienmitglied mit gleichem Interesse überschrieben wurde. Es kann aber auch das innerhalb der Familie zinsfrei verliehene Geld sein, das nirgends im letzten Willen auftaucht.

Diesen Streitigkeiten beugt das Aufsetzen eines Testaments im besten Fall vor. In seiner einfachsten Form muss ein Testament vollständig handschriftlich verfasst, mit Datum und Unterschrift versehen sowie auffindbar sein. Letzteres kann die Testaments-Erstellung bei einem Notar oder die Verwahrung bei Ihrem lokalen Amtsgericht gewährleisten. Dennoch gilt es, Wichtiges zu beachten und die für Sie jeweils richtige Form des Testaments zu wählen.

Frau setzt ihr Testament auf

Was gehört ins Testament?

Ein Testament kann im Umfang stark variieren. Dennoch gibt es ein paar Dinge, die grundsätzlich darin enthalten sein sollten:

Erbeinsetzung: Wer soll zu welchen Teilen erben und was wird an wen vererbt? Hier ist die Wahl der Formulierung im Testament wichtig. Sie sollten möglichst präzise sein und jeden Erben unmissverständlich benennen. Berücksichtigen Sie bei Ihren Planungen auch immer den Pflichtteil. Schwierig wird es, wenn Sie zum Beispiel die Begriffe „Erbe“/„erben“ und „Vermächtnis“/„vermachen“ im Testament nicht richtig verwenden. Umgangssprachlich werden beide Begriffe zwar oft synonym gebraucht – sie bedeuten allerdings jeweils etwas anderes. Dem Vermächtnisnehmer wird im Gegensatz zum Erben nur ein einzelner Nachlassgegenstand vermacht. Ansonsten ist er nicht erbberechtigt.

Vermeiden Sie zu allgemeine Sätze wie zum Beispiel: „Ich vererbe all meinen Besitz der Person, die an meiner Seite ist und sich um mich kümmert.“ Solche Formulierungen können zu Problemen führen. Erbt nun der Betreuer des Pflegedienstes oder Ihr Kind, das bis zum letzten Tag an Ihrer Bettkante saß?

Ersatzerben: Was passiert, wenn ein von Ihnen im Testament eingesetzter Erbe ausfällt? Also seinen Teil vom Nachlass nicht antritt oder antreten kann, weil er ihn ausschlägt oder selbst bereits verstorben ist? Hierzu können Sie Ersatzerben einsetzen und so zum Beispiel sicherstellen, dass Ihr Eigentum nicht an den Staat geht. Denn wenn kein gesetzlicher Erbe und auch kein Ersatzerbe vorhanden sind, sieht das Gesetz vor, dass das Vermögen des Erblassers auf den Staat übergeht. Das wäre nämlich die gesetzliche Regelung in einem solchen Fall.

Teilungsanordnung und Vorausvermächtnis: Wenn einer der Erben einen besonders benannten Teil vom Erbe erhält, sollte im Testament definiert sein, ob dieser zum allgemeinen Erbteil Ihres Erben zählt oder nicht. Einfach gesagt: Bei einem Vorausvermächtnis bekommt derjenige, dem es zugeschrieben wird, genauso viel wie alle anderen Erben plus einen extra Anteil. Das Vorausvermächtnis ist also nicht gleich dem Vorauserbe. Das Vorausvermächtnis bedeutet, man bekommt einen bestimmten Teil zu seinem gesetzlichen oder dem sich aus dem Testament ergebenden Erbteil hinzu. Nehmen wir wieder das Beispiel mit dem Oldtimer:

Wenn dieser als Vorausvermächtnis definiert wird, wird er nicht auf den gesetzlichen oder im Testament verfügten Erbteil angerechnet.

Bei einer Teilungsanordnung hingegen bekommt der Erbe zwar einen bestimmten Gegenstand, eine Immobilie oder einen Vermögenswert vererbt. Dieser wird aber auf den Erbteil angerechnet, sodass alle gleich viel erhalten. Ist der Oldtimer also als Teilungsanordnung im Testament angegeben, so wird der Wert auf den Erbteil des Erben angerechnet.

Testamentsvollstrecker: Die Vollstreckung Ihres Testaments kann durch eine von Ihnen benannte Person durchgeführt werden. Auf Ihren Wunsch kann auch das Nachlassgericht einen Testamentsvollstrecker ernennen.

Gregor Adamczyk, Fachanwalt für Familienrecht in Braunschweig, hat dazu folgenden Rat: „Erst einmal ist darauf hinzuweisen, dass eine dauerhafte Vollstreckung grundsätzlich nach 30 Jahren – mit Ausnahme der Vollstreckung auf Lebenszeit – endet. Durch den Erbfall erhalten die Erben grundsätzlich die volle Verfügungsgewalt über den Nachlass. Dies kann beispielsweise bei minderjährigen Kindern nicht sinnvoll sein. Erben diese, kann der Testamentsvollstrecker den Nachlass damit gegebenenfalls vor den Minderjährigen aber auch vor Dritten, zum Beispiel den Erziehungsberechtigten des Minderjährigen, schützen.“

Sinnvoll sei die Testamentsvollstreckung dann, wenn der Erblasser sicherstellen will, dass sein letzter Wille auch tatsächlich umgesetzt wird. Zum Beispiel, um langfristige Vermächtniserfüllung zu sichern. Das kann unter anderem der Erhalt des aufgebauten Betriebes oder auch einfach die Sicherung des Familienfriedens sein. Im Normalfall erhalte der Testamentsvollstrecker für seine Arbeit eine feste Summe oder einen kleinen Erbteil.

Die Basisversion – Handschriftliches Testament.

Die einfachste und schnellste Form, Ihren letzten Willen aufzusetzen, ist das handschriftliche Testament ohne Notar. Handschriftlich ist hier absolut wörtlich gemeint, weiß auch Adamczyk: „Die Nichtbeachtung der Handschriftlichkeit für das gesamte Testament – keine Hybridlösung aus Hand und Maschinenschrift – und/oder das Vergessen der Unterschrift unter dem Testament sind ein Klassiker der Unwirksamkeit. Vor allem dann, wenn immer mehr maschinell und immer weniger mit der Hand geschrieben wird.“

Das gesamte Testament wird also von Ihnen – und nur von Ihnen – handschriftlich verfasst und jede Seite signiert. Auch im 21. Jahrhundert gilt für diese Testamente: Computer und Schreibmaschinen müssen draußen bleiben.

Ist etwas getippt oder gedruckt, wird Ihr letzter Wille ungültig. Taucht die Schrift einer weiteren Person auf dem Dokument auf oder unterschreiben Sie lediglich die Niederschrift von jemand anderem, ist das Testament ebenfalls nichtig. Einzige Ausnahme bildet das gemeinschaftliche Testament. Hintergrund: Nur Verfügungen in Ihrer eigenen Handschrift können auch eindeutig als Ihr Wille identifiziert werden.

Sie sollten außerdem mit notieren, wann und wo das Testament verfasst wurde, falls Sie im Laufe der Zeit mehr als einmal Ihren letzten Willen festgehalten haben. Hiermit vermeiden Sie kontroverse Situationen, wenn mehrere Testamente ohne Datum im Umlauf sind. Alles, was sie zum Aufsetzen benötigen, sind ein dokumentenechter Stift und Papier. Also keinen Bleistift oder löschbare Tinte verwenden.

Allerdings müssen Sie auch selbst sicherstellen, dass Ihr Testament eindeutig und frei von Widersprüchen ist sowie zu gegebener Zeit gefunden wird. Denn viele Formulierungen führen zur Unwirksamkeit einer Verfügung von Todes wegen, weiß auch Rechtsanwalt Adamczyk:  „Abgesehen von der Form können auch unjuristische Formulierungen dazu führen, dass der Wille des Erblassers nicht umgesetzt werden kann. Mit Bedingungen im Testament sollte man vorsichtig sein, da diese die Unwirksamkeit des gesamten Testamentes zur Folge haben können. Ein praktisches Beispiel wäre, dass jemand nur Erbe wird, wenn seine Ehe noch besteht oder sich sogar hat scheiden lassen.“ 

Die Trennung Ihrer Tochter vom unliebsamen Schwiegersohn als Druckmittel einzusetzen, führt mitnichten zum gewünschten Ergebnis. Holen Sie sich im Idealfall Expertenrat ein, um derlei Stolpersteine zu vermeiden.

Die handschriftliche Form des letzten Willens hat also Vor- und Nachteile.

Tipp: Hinterlegen Sie Ihr handschriftliches Testament bei Ihrem örtlichen Amtsgericht. Lediglich in Baden-Württemberg übernimmt die Verwahrung ausschließlich ein Notar. Die bundesweit einheitliche Gebühr hierfür beträgt laut der Zeitschrift Finanztest 93 Euro.

Freund und Helfer beim Nachlass – Testament mit Notar.

Wenn Sie größtmögliche Rechtssicherheit anstreben, sollten Sie Ihr Testament in jedem Fall mit einem Notar verfassen. Diese Form wird auch „öffentliches Testament“ genannt. Es stellt sicher, dass Ihr letzter Wille nach Ihrem Tod auch gefunden wird. Außerdem bekommen Sie bei dieser Testamentart Hilfe bei Formulierungen und können auf die Erfahrungen und das Fachwissen Ihres Notars vertrauen.

Ihnen wenig geläufige Aspekte, wie mögliche Wertverluste oder -steigerungen von Vermögensgegenständen, Bedingungen für Enterbungen und alle weiteren möglichen Klauseln, gehören zum Repertoire eines Notars und finden so die nötige Beachtung im Testament. Die Dienstleistungen des Notars sind natürlich auch mit Kosten verbunden. Diese sind abhängig von dem zu vererbenden Vermögen bei Testamentserstellung. Bei einem größeren Nachlass fällt die Gebühr entsprechend etwas höher aus. Dafür ist aber auch sichergestellt, dass alles mit rechten Dingen zugeht und Ihr letzter Wille gefunden und nach Ihren Wünschen vollstreckt wird. Mehr zur Berechnung der anfallenden Kosten finden Sie bei der Bundesnotarkammer.

Auch das Testament mit Notar hat also seine Vor- und Nachteile.

Gemeinschaftliches Testament für Eheleute.

Eine häufig gewählte Form des letzten Willens ist das gemeinschaftliche Testament. Diese Art der Nachlassaufteilung ist von Gesetzes wegen nur für eingetragene Lebenspartner und Eheleute möglich. Es wird deshalb auch Ehegattentestament genannt.

Sinn und Ablauf sind im Grunde schnell erklärt: Mit dem Ehegattentestament stellen Sie und Ihr Partner oder Ihre Partnerin sicher, dass das jeweilige Alleineigentum und Ihr gemeinsames Eigentum nach Ihren Wünschen aufgeteilt wird. Die Errichtung eines gemeinsamen letzten Willens nach § 2267 BGB ist im Prinzip ähnlich wie das Aufsetzen eines einfachen handschriftlichen Testaments. Entweder schreiben beide Partner jeweils ihren als solchen kenntlich gemachten gemeinsamen letzten Willen auf und verwahren die Dokumente zusammengeheftet in einem Umschlag. Oder aber sie verfassen das Dokument zusammen, wobei einer der Partner schreibt und signiert, während der andere lediglich mit Ort und Datum unterzeichnet.

Ein Vorteil des Ehegattentestaments ist die Sicherheit. Es wird gemeinsam verfasst und enthält häufig wechselseitig bindende Verfügungen. Im Gegensatz zum einfachen handschriftlichen Testament kann ein gemeinschaftlich aufgesetzter letzter Wille zwar ohne Notar verfügt, aber bei einseitigem Wunsch gegebenenfalls nur mit Notar widerrufen werden; und dies auch nur zu Lebzeiten beider Partner (s. BGB § 2271). Wollen beide das Testament erneuern oder widerrufen, genügt es, die Herausgabe zu beantragen beziehungsweise das alte Exemplar durch ein neues zu ersetzen.

Sobald einer der Partner stirbt, ist ein Ehegattentestament, insbesondere mit wechselseitigen Verfügungen, bindend und nicht mehr abzuändern. Eine Scheidung hebt laut BGB teilweise das gemeinschaftliche Testament auf. Es sei denn, es enthält beispielsweise eine Klausel für den Fall einer Auflösung der Partnerschaft. Bei einer Scheidung sollten Sie eine eindeutige vertragliche Regelung finden, um jeden Zweifel auszuräumen.

Nehmen wir als Beispiel für die Funktionsweise des Ehegattentestaments noch einmal den Oldtimer: In Ihrem Testament haben Sie und Ihr Partner wechselbezüglich verfügt, dass dieser Wagen als Vermächtnis nach dem Tod an Ihren Nachbarn, einen großen Oldtimer-Liebhaber, gehen soll. Ihr Partner verstirbt plötzlich und damit wird Ihr gemeinsames Testament bindend. Mittlerweile ist das Verhältnis zu der Person, die Ihren Oldtimer als Vermächtnis erhalten soll, nicht mehr das beste. Sie erscheint noch nicht einmal zur Beerdigung. Trotz allem ist es im Nachhinein nicht mehr möglich, die getroffene Vermächtnisregelung zu ändern und den Oldtimer jemand anderem zu vermachen.

Tipp: Lassen Sie sich von einem Experten beraten. Planen Sie Ihr Testament mit allen Eventualitäten. Was passiert im Fall einer Scheidung? Was passiert im Fall von durch Sie definiertem Fehlverhalten eines Erben oder Vermächtnisnehmers? Soll Ihr Partner wirklich das volle Vermögen erben, oder ergibt es im Hinblick auf die Erbschaftssteuer Sinn, einen Teil schon zuvor an Ihre späteren Schlusserben zu verteilen?

Berliner Testament – für Eltern.

Als Berliner Testament bezeichnet man eine bei Paaren mit Kindern gängige Form des gemeinschaftlichen Testaments. Bei dieser letztwilligen Verfügung setzen Sie sich und Ihren Partner wechselseitig als Alleinerben ein und bestimmen, welchen Dritten das Erbe nach dem Tod des länger lebenden Partners zufallen soll. Kinder und andere von Ihnen eingesetzte Erben werden also als Schlusserben eingesetzt und erben erst nach dem Tod des zweiten Partners. In den restlichen Anforderungspunkten stimmen das Berliner Testament und das gemeinschaftliche Testament überein.

„Während das gemeinschaftliche Testament nur die gemeinsame Errichtung betrifft, geht das Berliner Testament – inhaltlich – darüber hinaus. Es führt dazu, dass der überlebende Ehepartner in aller Regel alles allein erbt und andere Erbberechtigte, das können zum Beispiel die Kinder sein, erst einmal ausgeschlossen werden. Der Vorteil ist hier, dass der überlebende Ehegatte damit – je nach Gestaltung – das gesamte Vermögen allein erbt und damit die alleinige Entscheidungsfreiheit über den Nachlass bei ihm liegt“, so der Braunschweiger Anwalt für Familienrecht Adamczyk.

Dieses Modell bietet dem verbleibenden Partner eine hohe finanzielle Sicherheit, da das gemeinschaftliche Vermögen in seinem Besitz verbleibt. Unter bestimmten Umständen jedoch mit Einschränkungen. Nämlich dann, wenn ein Kind seinen Pflichtteil bereits nach dem Tod des ersten Elternteils geltend macht. Dies ist auch bei Enterbung möglich. Hat das Vermögen einen niedrigen Gesamtwert beziehungsweise liegt eine geringe Liquidität vor, kann es zum Problem werden, den Pflichtteil auszuzahlen. Einen gängigen Weg, sich hier – bedingt – abzusichern, gibt es aber: mithilfe einer sogenannten „Pflichtteils-Strafklausel“.

Diese besagt, dass, wer bereits nach dem Tod des ersten Elternteils seinen Pflichtteil verlangt, auch nach dem Tod des zweiten nur den Pflichtteil erhalten kann. Mit anderen Worten: Wer nach dem Tod des ersten Elternteils seinen Pflichtteil verlangt, enterbt sich teilweise selbst für den Fall des Todes des zweiten Elternteils.

Tipp: Beachten Sie die Steuerfreibeträge bei Erbschaften und schreiben Sie gegebenenfalls eine Pflichtteils-Strafklausel in das Testament mit hinein. Auch hier kann Expertenrat am Ende günstiger als die Alternative sein. Diese wäre die Auszahlung des Pflichtteils, weil die möglicherweise abschreckende Wirkung der Strafklausel nicht vorhanden ist.

Wenn …, dann …: Der Erbvertrag.

Anders als ein einfaches Testament ist ein Erbvertrag für alle Beteiligten bindend. Er bietet die Möglichkeit, die Weitergabe von Vermögen und Vermögensgegenständen verpflichtend und auch für Dritte beziehungsweise Paare ohne Trauschein vertraglich festzusetzen. Das kann zum Beispiel bei der Weitergabe Ihres Betriebes Sinn ergeben.

Ihr Nachlassempfänger könnte so neben einem Verwandten zum Beispiel auch jemand Fachkundiges oder ein Angestellter aus Ihrem Unternehmen sein. Der Nachlassempfänger unterschreibt mit Ihnen den Vertrag und weiß, dass seine für die Firma erbrachte Leistung und die damit einhergehende Unternehmenswertsteigerung am Ende auch zur Gänze an ihn übertragen wird. Sie wiederum können sich sicherer sein, dass Ihr Lebenswerk über den Tod hinaus fortbesteht. Zusätze wie die Verpflichtung zum Erhalt der Belegschaft oder zum Umgang mit Liegenschaften sind hier im besten Fall ebenfalls regelbar.

Auch Fachanwalt Gregor Adamczyk sieht im Erbvertrag Vorteile bei der Weitergabe von größeren Vermögenswerten und der Rechtssicherheit: „Ein Erbvertrag regelt das Erbrecht und kann daher anstelle eines Testaments verwendet werden. Aufgrund der Bindungswirkung eignet er sich aber nur für Personen, die sich sicher sind, wie sie ihr Erbe aufteilen wollen und dass sich daran mit hoher Wahrscheinlichkeit auch nichts mehr ändern wird. Denn ein Erbvertrag ist für den Erblasser, im Gegensatz zu anderen Formen des Testaments, nicht ohne Weiteres zu widerrufen. Da man mit dem Erbvertrag eine höhere Rechtssicherheit erreichen kann als mit einem Testament, ist ein solcher immer dann sinnvoll, wenn große Vermögenswerte – auch in Abweichung zur gesetzlichen Erbfolge – verteilt werden sollen. Auch wenn es um die Absicherung von Personen durch Pflegeleistungen oder Ähnliches geht, kann sich ein Erbvertrag anbieten.“

Auch und besonders für eheähnliche Lebensgemeinschaften ist ein Erbvertrag sinnvoll, denn mithilfe eines Erbvertrags können Partner auch ohne Trauschein ein wechselseitiges Erbrecht vereinbaren und so den jeweils anderen absichern. Das ist allerdings – wegen der geringen Freibeträge – häufig steuerlich schwierig.

Bei den bisher vorgestellten Möglichkeiten, ein Testament aufzusetzen, war ein Notar optional. Bei einem Erbvertrag hingegen ist eine notarielle Beurkundung zwingend erforderlich. Zum Zeitpunkt der notariellen Beurkundung müssen alle Vertragspartner voll zurechnungs- und geschäftsfähig sein.

Insgesamt bietet ein Erbvertrag sehr weitreichende Möglichkeiten zur Ausgestaltung Ihrer gewünschten Erbfolge, den Umgang mit Ihrem Vermächtnis und mögliche nachträgliche Änderungen oder Rücktrittsrechte.

Ziehen wir nochmals unseren Oldtimer als Beispiel heran: Auch wenn Sie in dem Fall vermutlich nicht einen so großen Aufwand betreiben würden, können Sie mit einem Erbvertrag nicht nur festlegen, dass statt Ihres Kindes oder Partners Ihr bester Freund den Wagen als Vermächtnis erhält – diese Verfügung wäre auch in einem Testament möglich. Darüber hinaus können Sie im Erbvertrag noch festlegen, dass Ihr bester Freund den Wagen zu Ihren Lebzeiten und darüber hinaus in keinem Fall umlackieren oder veräußern darf und sich um die Instandhaltung kümmern muss. Sie könnten zusätzlich noch festlegen, dass er den Wagen noch zu Ihren Lebzeiten nutzen darf – zum Beispiel, wenn Sie fahruntüchtig werden.

Ein Erbvertrag bietet also nicht nur für die Weitergabe von Familienbetrieben mögliche Vorzüge zum klassischen Testament. Auch Personen, die in eheähnlichen Partnerschaften leben, können von einem Erbvertrag profitieren:

  • ein Erbvertrag bietet weitreichende Möglichkeiten zur Regelung Ihres Nachlasses
  • gute Möglichkeit der Absicherung für Paare in eheähnlichen Lebensgemeinschaften
  • Vermögen ist zu Lebzeiten für Erblasser zumeist frei verfügbar
  • nur notariell beurkundet gültig
  • je nach Gestaltung nach Abschluss nur schwer zu verändern
  • mit Kosten und Zeitaufwand verbunden

Tipp: Nehmen Sie sich Zeit. Ein Erbvertrag sollte besonnen und in Ruhe mit allen Beteiligten und einem Notar ausgearbeitet werden. Behalten Sie sich gegebenenfalls eine Ausstiegsklausel vor.

Die Besonderheiten des Behindertentestaments.

Wollen Sie einen Teil oder auch Ihren gesamten Nachlass an einen pflegebedürftigen Menschen mit Behinderung vererben, sollten Sie ein paar Dinge beachten. Andernfalls könnte es passieren, dass ein Großteil des Erbes nicht beim gewünschten Empfänger ankommt. Der Grund hierfür ist die oft kostspielige, zeitaufwändige und daher nicht von den Angehörigen selbst zu leistende Pflege der Familienmitglieder mit Handicap. Kommt Ihr Kind mit Behinderung nun durch das Erbe zu großen Vermögensmitteln, werden diese unter Umständen für die Pflege eingesetzt und lediglich der Pflichtteil kann als Erbe erhalten werden. Grund hierfür ist der sogenannte „Nachranggrundsatz“. Dieser bedeutet: Unterstützung vom Staat – hier in Form von Pflege – empfangen darf nur, wer nachweislich keine eigenen Mittel zur Verfügung hat.

Um das zu vermeiden, gibt es nach Rechtsanwalt Adamczyk folgende Lösung: „Es gibt viele verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten. Ziel sollte es dabei sein, das Vermögen zugunsten des Behinderten zu erhalten und zu vermeiden, dass Dritte darauf zugreifen können. In der Praxis hat sich die kombinierte Anordnung der Vor- und Nacherbfolge mit Dauertestamentsvollstreckung bewährt. Diese Variante wurde auch vom Bundesgerichtshof gebilligt. Eine Entziehung des Erbteils des Behinderten sollte vermieden werden, da dann möglicherweise ein Sozialleistungsträger den Pflichtteilsanspruch auf sich überleiten und geltend machen könnte.“

Wichtig ist, dass diese Regelung nicht erst wie im Berliner Testament ab dem Tod des zweiten Elternteils eintritt, sondern bereits beim Ableben des ersten Elternteils. Der Sozialträger könnte sonst bereits hier den Pflichtteil einfordern. Dann bliebe ein nicht unerheblicher Teil des Erbes auf der Strecke. Auf diesem Wege schützt das Einsetzen von Vor- und Nacherben sowie dauerhafter Testamentsvollstreckung für die Lebenszeit Ihres Erben den Nachlass vor dem Zugriff des Fiskus. Denkbar wäre zum Beispiel die Auszahlung von kleineren Zinsbeträgen als Taschengeld.

Tipp: Nehmen Sie unbedingt rechtliche Beratung zum Errichten eines Testaments in Anspruch, wenn Menschen mit Behinderung etwas vom Nachlass erhalten. Ihre individuelle Situation zählt. Ein Muster-Behindertentestament gibt es nicht.

Sonderfälle von Testamenten.

Zu guter Letzt bekommen Sie hier noch einen Überblick über drei Sonderformen der letztwilligen Verfügung, so genannte Nottestamente.

Für all diese Nottestamente gilt:

  • Der Erblasser muss in einer lebensbedrohlichen Situation sein. Hierzu zählen Unfälle oder plötzliche und schwere Krankheit.
  • Das Aufsuchen eines Notars und die selbstständige Niederschrift sind, beispielweise aufgrund von kurzfristiger Krankheit, Überschwemmung oder Verschüttung, nicht möglich. Vorsicht: Am Wochenende kann es in der Großstadt durchaus möglich sein, einen Notar zu erreichen und ins Krankenhaus zu holen.
  • Das Nottestament muss vor mindestens drei Zeugen abgegeben werden. Diese tragen dafür Sorge, den letzten Willen schriftlich zu fixieren und unterschreiben das Dokument.
  • Die Zeugen dürfen im Testament selbst nicht bedacht werden und in keinem direkten Verwandtschaftsverhältnis zum Erblasser stehen.
  • Sollte der Testierende sich erholen, verliert das Nottestament automatisch nach drei Monaten seine Gültigkeit.