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Das Magazin von Volkswagen Financial Services.
  • 11.10.2018
  • 7 Minuten

Trauerfall in der Familie – Fragen und Antworten für Angehörige.

  • Beerdigung organisieren, Verträge sichten, Verbindlichkeiten überprüfen – das ist zu beachten.
  • Beerdigungskosten decken vom Nachlasskonto.
  • Kontovollmacht im Todesfall – reicht das?
  • Wann brauche ich einen Erbschein?
  • Checkliste: Was tun im Todesfall?
Familie sorgt für Todesfall vor

Der Tod und die anschließende Organisation der Beisetzung eines Angehörigen betreffen fast jeden irgendwann einmal. Aber auch wenn das Andenken und die Trauer an erster Stelle stehen, gibt es Dinge, die Sie wissen sollten. Denn trotz der schweren Situation müssen viele Dinge geregelt werden und dabei geht es leider oft auch um finanzielle Fragen …

Sarg, Grabstelle, Blumen, Organist, oder auch der Grabstein: Eine Beerdigung mit allem Drum und Dran schlägt laut Finanztest Spezial (März 2018) bei einer Erdbestattung selbst bei niedrigen Ansprüchen schnell mit einem Betrag von 7000 Euro zu Buche. See- und Feuerbestattungen sind zwar günstiger, aber auch diese Bestattungsformen kosten wenigstens ein paar tausend Euro.

Nachlassabwicklung: Nach dem Tod werden auch Verpflichtungen vererbt.

Im Falle des Todes werden die Erben die legitimen Rechtsnachfolger des Erblassers, also der verstorbenen Person. Das bedeutet für Sie neben dem Aufteilen des Erbes und der Organisation der Beerdigung in der ersten Zeit nach dem Trauerfall noch etwas: Unterlagen sichten. Denn nur wenige Rechtsgeschäfte enden nach dem Tod wirklich von alleine. Hat Ihr Angehöriger eine Lebens-; Sterbegeld- oder Unfallversicherung abgeschlossen, bleiben Ihnen laut Stiftung Warentest meist nur 24 bis 72 Stunden, um die Versicherer in Kenntnis zu setzen. Andernfalls kann es passieren, dass die Todesfallsumme nicht ausgezahlt wird.

Viele andere Verträge oder Versicherungen müssen von den Erben fristgerecht gekündigt werden. Lediglich Mietverträge sehen von Gesetzes wegen ein einmonatiges Sonderkündigungsrecht im Todesfall vor. Weitere Verbindlichkeiten, die Sie im Trauerfall unter Umständen kündigen sollten:

  • Hausrats- und Haftpflichtversicherungen
  • Verträge mit Energieversorgern
  • Laufzeitverträge wie beispielsweise Telefon, Internet und Mobilfunk
  • Mitgliedschaften in Vereinen und Clubs oder Abos 

Die einzigen Rechtsgeschäfte, die automatisch enden, sind die so genannten „höchst persönlichen“. Hierzu zählen unter anderem der Arbeitsvertrag, Pflegevertrag oder der Ehevertrag.

Manchmal ergibt sich aus den AGB der Vertragsfirmen ein Sonderkündigungsrecht im Sterbefall. Aber auch wenn Sie einen Vertrag finden, der dieses nicht einräumt: Fragen Sie nach! Viele Vertragspartner akzeptieren bei Vorlage der Sterbeurkunde oder des Erbscheins – je nach Auslegung der AGB-rechtlichen Regelungen – die fristlose Kündigung. In manchen Fällen wird eine Art Abfindung, beispielsweise für entgangene Grundgebühren, ausgehandelt.

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Beerdigungskosten aus dem Nachlass decken – geht das?

Die Kosten für die Beerdigung tragen Sie als Erbe oder Erbengemeinschaft zusammen. Die Verteilung geschieht dabei entweder den in der Verfügung von Todes wegen (bspw. Testament oder Erbvertrag) zugedachten Erbteilen entsprechend oder nach der gesetzlichen Erbfolge. Der Gesetzgeber hat hierzu in §1968 BGB eine Norm erlassen: „Der Erbe trägt die Kosten der Beerdigung des Erblassers.“ Das gilt auch für den Fall, dass die Bestattungskosten den Nachlasswert übersteigen. Achtung: Nach verschiedenen öffentlich-rechtlichen Satzungen sind die Kosten sogar dann vom rechtsbegrifflich so genannten „Abkömmling“ (bspw. Kind oder Enkelkind) zu tragen, wenn er nicht als Erbe eingesetzt wurde.

Da die Kosten schnell in die Tausende gehen, sind diese nicht von jedem Erben oder jeder Erbengemeinschaft ohne weiteres zu decken. So kommt es regelmäßig vor, dass Familien für eine nach ihren Wünschen gestaltete Trauerfeier Kleinkredite aufnehmen. Hat der oder die Verstorbene keine Sterbegeldversicherung oder einen Bestattungsvertrag abgeschlossen, bietet es sich für Sie aber auch an, vorhandenes Vermögen von den Konten des Verstorbenen zu verwenden. Aber wie bekommen die Erben Zugriff auf die Konten des Verstorbenen? Über eine entsprechende Vollmacht:

Die Bankvollmacht im Todesfall.

Sobald ein Kreditinstitut vom Tod eines Kunden erfährt – zum Beispiel nach Testamentseröffnung vom Nachlassgericht – gehen seine Konten in den Zustand sogenannter Nachlasskonten über. Der Zugriff ist auch für entsprechend Bevollmächtigte damit erst nach Vorlage der Sterbeurkunde wieder möglich. Außerdem wird das Finanzamt über die Kontostände in Kenntnis gesetzt, um bei der Nachlassverteilung gegebenenfalls die entsprechenden Steuern zu erheben. Achtung: Tauchen bei der Durchsicht des Nachlasses durch das Finanzamt wertvolle Vermögensgegenstände auf, die im Vorfeld verschenkt wurden, kann nachträglich Schenkungssteuer erhoben werden.

Es gibt für Sie nun verschiedene Wege, um für die Beerdigung und darüber hinaus auf das Geld des Verstorbenen zuzugreifen: Die einfachsten Möglichkeiten sind die so genannten Bankvollmachten, umgangssprachlich auch Kontovollmachten genannt. Sie können zu Lebzeiten jederzeit vom Kontoinhaber eingerichtet und widerrufen werden. Hierbei überträgt der Kontoinhaber Rechte zum Zugriff auf sein Konto an eine oder mehrere Personen.

Das beinhaltet für gewöhnlich Überweisungen, Abhebungen und Daueraufträge, die dann durch den oder die Bevollmächtigten durchgeführt werden können. Wann diese Vollmacht angewendet wird, entscheidet ebenfalls der Inhaber des Kontos. Zum Einrichten der Vollmacht müssen der Kontoinhaber sowie der kommende Bevollmächtigte persönlich mit einem Lichtbildausweis bei der Bank vorstellig werden.

Es gibt zwei übliche Arten von Bankvollmachten: die Vollmacht im Todesfall, die sogenannte postmortale Vollmacht und die sogenannte transmortale Vollmacht. Letztere sollten Sie einrichten, wenn Sie schon vor einem Todesfall oder im Fall einer Pflegebedürftigkeit sicherstellen wollen, dass die Geldgeschäfte problemlos und zeitnah weiter geführt werden können. So kann der Bevollmächtigte beispielweise Besorgungen machen oder den Pflegedienst bezahlen.

Wann brauche ich einen Erbschein trotz Bankvollmacht?

Oftmals bitten Banken aus Sicherheitsgründen auch bei Vorlage einer Vollmacht oder eines Testament, um einen Erbschein, bevor sie das Konto freigeben. Letztlich ist dies eine Maßnahme, um die Bankkunden vor Missbrauch zu schützen.

Nach einem Urteil des BGH von 2013 ist die Vorlage eines Erbscheins aber nur noch in Fällen berechtigter Zweifel am Anspruch des Antragsstellers verpflichtend. Das könnte zum Beispiel ein Bevollmächtigter ohne Verwandtschaftsgrad zum Erblasser sein, der das ganze Vermögen ohne Vorlage eines Testaments beansprucht.

Im Normalfall benötigen Sie zur Kontofreigabe nur Folgendes:

  • die Sterbeurkunde, die in der Regel innerhalb von ein bis zwei Wochen nach dem Tod ausgestellt wird.
  • eine beglaubigte Abschrift oder Kopie des Sie begünstigenden Testaments sowie das Eröffnungsprotokoll des Nachlassgerichts.

Ohne Testament oder Erbvertrag kommen Sie am Erbschein jedoch nicht vorbei.

Was tun im Todesfall? Gehen Sie chronologisch vor …

Am Ende sollten Formalitäten nicht im Vordergrund stehen.

Gerade in solch emotionalen Lebenssituationen fällt es schwer, einen klaren Kopf für die nötigen Formalitäten zu bewahren. So haben Sie sicherlich anderes im Kopf, als sich um Organisatorisches und auch Finanzielles zu kümmern. Holen Sie sich rechtlichen Beistand, der Ihnen bei Erbangelegenheiten zur Seite steht und fragen Sie auch Ihren Bankberater – zumindest bei finanziellen Themen kann Sie Ihre Bank unterstützen und entlasten.

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