VWFS-Experte über die Zukunft von Flotten: „Wir verwalten nicht mehr nur Fuhrparks – wir managen Mitarbeiter-Mobilität.“
Die gemischte Flotte auf einen Blick:
- Die Zukunft der Unternehmensflotte ist gemischt: Ein Mix aus E-Autos, Verbrennern und Diensträdern ist die realistische Antwort auf diverse Nutzungsprofile und regulatorische Anforderungen.
- Das Fuhrparkmanagement entwickelt sich vom reinen Fahrzeugeinkauf zum strategischen Mobilitätsmanagement, das Daten, Richtlinien und Personalthemen integrieren muss.
- Datenbasierte Steuerung mittels Telematik und die Analyse von KPIs sind keine Option mehr, sondern eine zwingende Notwendigkeit für Kostenkontrolle und das verpflichtende ESG-Reporting.
Wie kann die Zukunft von Fuhrparks aussehen? Ein Experte im Interview.
Aaron Bongers, Leiter Region Nord, Vertrieb Deutschland Großkunden bei Volkswagen Financial Services (VWFS) über die Herausforderungen und Lösungen bei der Verwaltung von Fuhrparks, die aus E-Autos, Verbrennern und Fahrrädern bestehen.
Herr Bongers, viele sprechen über eine rein elektrische Zukunft. In den Flotten deutet sich aber ein Mix als Lösung an. Ist eine gemischte Flotte aus E-Autos, Plug-in-Hybriden, Verbrennern und Diensträdern aktuell die strategisch klügere Lösung?
Aaron Bongers: Wir denken die Zukunft in multimodalen Angeboten. Regulatorische Einflüsse wie die CSRD-Nachhaltigkeitsberichterstattung,2drohende Einfahrverbote in Innenstädte oder die neue Euro-7-Norm auf der einen Seite und die diversen Nutzungsprofile in Fuhrparks auf der anderen sorgen dafür, dass eine „One-fits-all“-Lösung nicht mehr zeitgemäß ist. Wir sehen, dass die Flottenkunden die Treiber bei der Antriebstransformation sind. Der vollelektrische Antrieb nimmt deutlich an Bedeutung zu und wird mittelfristig den Verbrenner ersetzen. Gleichzeitig nehmen weitere Mobilitätsbedarfe wie das Fahrradleasing und Bruttogehaltsumwandlungsmodelle immer mehr Raum ein.
Die Verwaltung einer gemischten Flotte bringt eine neue Komplexität mit sich. Was ist die größte operative Herausforderung für Fuhrparkleiter?
Aaron Bongers: Das kann ich bestätigen. Die Anforderung entwickelt sich immer mehr ins strategische Fuhrparkmanagement. Im bestehenden Fuhrpark müssen Abweichungen bei der Nutzung (Fahrleistung) sowie den Wartungs- und Reparaturkosten stets im Blick sein. Hinzu kommt nun eine vorausschauende Planung von Ersatzbeschaffungen und die rechtzeitige Anpassung bestehender Regelwerke wie der Car Policy. Auch die Abstimmung mit der Personalabteilung, etwa zur Umsetzung von Gehaltsumwandlungsmodellen, und nicht zuletzt das Werben für die Transformation im eigenen Haus sind entscheidende neue Aufgaben.
Wie verändert sich die TCO-Betrachtung (Total Cost of Ownership), wenn auch Ladeinfrastruktur oder der Service für Fahrräder eine Rolle spielen?
Aaron Bongers: Auch beim Laden von E-Fahrzeugen macht es einen großen Preisunterschied, wo und wie geladen wird – AC- oder DC-Laden bzw. Onsite oder öffentlich. Unternehmen müssen sich hier breiter aufstellen. Um unseren Kunden hier Transparenz und Planungssicherheit zu geben, bieten wir mit der Charge&Fuel-Card von unserer Marke ELLI unterschiedliche Tarifoptionen an, die diese Komplexität für den Nutzer und den Manager vereinfachen.
Unkompliziertes Laden dank der Charge&Fuel Card.
Damit Ihre Fahrer ihre Dienstfahrzeuge unterwegs laden können, bietet die Charge&Fuel Card bargeldloses Laden an mehr als 1 Mio. Ladepunkten in zahlreichen Ländern.
Zur Charge&Fuel CardDaten sind der Schlüssel zur effizienten Steuerung. Welche Kennzahlen (KPIs) sind in einer gemischten Flotte entscheidend, um Kosten und Nachhaltigkeitsziele (ESG) messbar zu machen?
Aaron Bongers: Die Daten eines Fuhrparks sichtbar zu haben, ist heute zwingend notwendig. Einerseits wegen der Berichtspflicht zur Flottenemission2, also Verbrauch und CO₂-Ausstoß, andererseits zur Analyse der tatsächlichen Fahrzeugnutzung. Dabei ist das Fahrzeug selbst längst ein wichtiger Datenträger. Die Frage ist: Welche Telematik-Daten liefert das Fahrzeug und wie kann ich diese nutzen, um Optimierungen für meinen individuellen Fuhrparkbedarf abzuleiten?
Wie können Unternehmen den Umstieg auf neue Mobilitätsformen wie Bike-Leasing erfolgreich kommunizieren, um die Akzeptanz der Mitarbeiter zu fördern?
Aaron Bongers: Wir haben sehr gute Erfahrungen damit gemacht, die Mitarbeiter sich gegenseitig begeistern zu lassen. Durch sogenannte BEV-Erlebnistage auf dem Firmengelände werden die Angebote erlebbar gemacht. Partner-Autohäuser stellen die neuesten E-Fahrzeuge für kurze Probefahrten „um den Block“ zur Verfügung und Experten beantworten vor Ort Fragen, beispielsweise zu den vielfältigen Lademöglichkeiten oder auch zur Bruttogehaltsumwandlung für ein Dienstrad.
Machen Sie Ihr Unternehmen mobil.
Beim Bike-Leasing für Arbeitnehmer arbeitet die Volkswagen Leasing GmbH mit Lease a Bike1 zusammen. Die Kooperation ermöglicht es, E-Bikes und Fahrräder als Zusatzleistungen in Ihrem Unternehmen anzubieten. So profitieren Sie von einer Zusatzleistung, die Ihre Gesundheit sowie die Umwelt unterstützen kann.
Zum Bike-LeasingWas ist der erste, praktische Schritt für einen Fuhrparkmanager, der seine Flotte schrittweise gemischt aufstellen möchte?
Aaron Bongers: Ich empfehle, sich die strategische Frage zu stellen: Was soll unser Fuhrpark in 5 und in 10 Jahren sein? Es geht darum, ganz konkret zu definieren, welche Dienstleistung das Fuhrparkmanagement im eigenen Unternehmen zukünftig erbringen soll und welche Bedürfnisse der Mitarbeiter es erfüllen soll. Daraus lässt sich dann ein konkreter Plan ableiten.
Gibt es ein erfolgreiches Beispiel für den Aufbau einer gemischten Flotte?
Aaron Bongers: Ja, die gibt es, auch wenn die Flotten so individuell wie die Unternehmen selbst sind. Ein gutes Beispiel ist die IMF – Ingenieurgesellschaft Meinhard Fulst GmbH. Als Planungsdienstleister in der technischen Gebäudeausstattung hat die IMF bereits jetzt 30 % der bei uns geleasten Fahrzeuge mit vollelektrischem Antrieb eingeflottet. Bis 2030 ist geplant, diese Quote auf 100 % zu erhöhen. Mehr dazu auf unserem LinkedIn-Profil.
Blicken wir zum Abschluss fünf Jahre in die Zukunft: Welcher Trend wird das Flottenmanagement als Nächstes am stärksten beeinflussen?
Aaron Bongers: Technologisch werden Künstliche Intelligenz und vernetzte Fahrzeugdaten das Flottenmanagement nachhaltig verändern. Wartungsereignisse werden intelligenter vorgeplant und Fahrzeuge noch bedarfsgerechter gesteuert. Die Fuhrpark-Compliance, wie elektronische Führerscheinkontrolle und UVV-Nachweise, wird weitgehend automatisiert erfolgen. Auf gesellschaftlicher Ebene verfestigt sich der Trend nach nachhaltiger und flexibler Mobilität. Unternehmen werden nicht mehr nur Fuhrparks unterhalten, sondern ein diverses Angebot an Mitarbeitermobilität managen.