Das Magazin von Volkswagen Financial Services.
  • 31.01.2022
  • 6 Minuten

Automatik oder Schaltung – eine Frage der Einstellung?

  • Laut ADAC sind 68,1 Prozent der Fahrzeuge in Europa Schaltwagen, in den USA nur 7,8 Prozent.
  • Schaltwagen geben dem Fahrer die volle Kontrolle über das Fahrzeug, kosten keinen Aufpreis und punkten mit klassischem Fahrgefühl.
  • Automatikfahrzeuge bieten gerade im Stop-and-go-Verkehr einen hohen Fahrkomfort und überzeugen mittlerweile mit schnellen Schaltvorgängen.
  • Automatik ist nicht gleich Automatik: Automatisierte Schaltgetriebe, stufenlose CVT-Getriebe, Wandler-Automatik und Doppelschaltgetriebe (DSG) fahren sich unterschiedlich.
  • Die Fahrweise macht den Verbrauch: Weder manuelle noch Doppelschaltgetriebe verbrauchen zwangsläufig mehr.
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Automatik- vs. Schaltwagen – gibt es einen klaren Favoriten?

Automatikfahrzeuge galten lange als schwerfällige Spritschleudern. Die in den USA so populäre Getriebeart fand bei der traditionellen Autonation Deutschland nur wenig Anklang. „Wer fahren kann, fährt manuell“ lautete das Credo vieler Autobesitzer. Für die „Rentnerkupplung“ auch noch einen Aufpreis zu zahlen… völlig ausgeschlossen! Mancher hatte den Eindruck, die Automatikfahrzeuge wüssten nicht was sie tun und ihre Hersteller hätten den Schaltknüppel nur entfernt, um ihn dem versierten Fahrer postwendend zwischen die Beine zu werfen.

Diese Zeiten sind längst Geschichte, denn die Automatiksysteme wurden ausgeklügelter, effizienter und leistungsstärker, sodass immer mehr Menschen der eher bequemen Fahrweise etwas abgewinnen konnten. Mittlerweile machen Automatikwagen einen wesentlichen Anteil des deutschen Fahrzeugmarktes aus und ihre Anzahl nimmt stetig zu. Gerade bei jüngeren Fahrern erfreuen sich die modernen Systeme großer Beliebtheit. Stammtischweisheiten eingeschworener Kuppler? Fehlanzeige.

Ist das schon der Abgesang? Geht bei der manuellen Schaltzentrale jetzt das Licht aus? Ist es endgültig an der Zeit das Mittelkonsolen-Zepter aus der Hand zu geben? Nö. Der Schaltknauf hat nach wie vor eine große, treue Fangemeinde und neben einem Marktanteil von fast 70 Prozent in Europa noch immer einige Dinge, die für ihn sprechen.

Letztlich ist die Wahl zwischen automatischer und manueller Fahrweise gar keine leichte Entscheidung. Denn auch wenn einige Fakten für die eine oder die andere Getriebeart sprechen, kommt es am Ende doch vorrangig auf die Präferenz der Fahrer an. Schwört die eine Fahrerin auf das unvergleichbare Fahrerlebnis eines Schaltwagens, erfreut sich ein anderer Fahrer daran, komfortabel durch den innerstädtischen Verkehr zu gleiten. So geht es beispielsweise unseren beiden Redakteuren Pia Schreiber und Philip Seufert, die an dieser Stelle ein kleines Streitgespräch zu den verschiedenen Getriebearten wagen.

Getriebearten und ihre Verfechter.

Seufert: Vorneweg: Müssen wir uns eigentlich erst einmal darüber klar werden, wo genau wir anfangen? Getriebearten sind ja ein ganz schön weites Feld.

Schreiber: So wie ich dich kenne bei Adam und Eva. (lacht) Ich würde sagen, wir legen einfach los und halten uns an die Regel „wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ – und das ist ja nun einmal die manuelle Schaltung. Das ist Fahren in seiner reinsten Form. Also wenn Du wirklich ein leidenschaftlicher Autofahrer bist, dann fährst Du Schaltwagen – da gibt es gar kein Vertun! Du spürst den Wagen, musst mal was tun für Dein Vorankommen und vor allem: Du hast es selbst in der Hand. Das ist doch das Magische.

Seufert: Klar, ich verstehe schon, dass Schalten einfach Bock macht. Gerade wenn man den Schaltknüppel vom dritten schnell in den vierten Gang runterzieht, fühlt sich das so richtig nach Rennstrecke an. Aber das Fahren darauf zu reduzieren ist doch irgendwie Quatsch. Um etwas deutsche Popgeschichte zu zitieren: „Ich geb‘ Gas, ich will Spaß“ – darum geht es doch eigentlich, oder? Aufs Pedal drücken und losjagen, das macht für mich Autofahren aus. Lenken und Schalten tue ich ja auch auf dem Rad, aber diese Power auf Abruf, das ist doch der Kern der Sache – und die bekomme ich auch komfortabel ohne Handschaltung.

Schreiber: Sehr pragmatisch, aber da muss man sich dann eben auch mit dem Kern zufriedengeben. Das Auto und seine „Sweetspots“ wirklich fühlen, das können nur diejenigen, die mit einer manuellen Schaltung umzugehen wissen. Das ist eben Fahren „zum Anfassen“, etwas Haptisches – da kann das bisschen Pedalarbeit nicht mithalten. Abgesehen davon bin ich auch schon Automatikfahrzeuge gefahren, die einen mit ihren langsamen Schaltvorgängen und diesen spürbaren Leistungseinbußen echt wahnsinnig gemacht haben.

Seufert: Hatte ich auch vor Kurzem, ich weiß genau, was Du meinst. Da war ich mit einem Kleinstwagen von einem Carsharing-Anbieter unterwegs. Eigentlich sehr praktisch, aber von diesen „Beschleunigungslücken“ war ich zwischenzeitlich echt genervt. Das nennt man übrigens Zugkraftunterbrechung – ja gut, das habe ich nachgeguckt, gebe ich zu (lacht). Bei hochwertigen Direktschaltgetrieben (DSG) kommt das aber so nicht vor. Automatik ist nämlich nicht gleich Automatik, gerade bei kleineren Fahrzeugen werden manchmal nur ‚automatisierte Schaltgetriebe‘ verbaut und die sind, na ja, gewöhnungsbedürftig.

Schreiber: Okay, das wäre echt gar nichts für mich. Die Situationen in denen ich mir manchmal Automatik wünschen würde, sind nämlich genau im Bereich Stadtverkehr, Stop-and-go und Co. Wenn ich einfach ständig anfahren muss und Fahrspaß ohnehin nicht in Sicht ist, dürfte es auch gerne mal die Automatik sein. Dann aber bitte eine, die auch zügig schaltet – ohne „Durststrecken“ zwischen den Gängen, sonst mach ich das lieber selbst! (lacht)

Seufert: „Im Zweifelsfall bin ich besser als die Automatik“ ist bei euch Schaltwagen-Fans auch echt die oberste Maxim, oder? Sorry für die Hiobsbotschaft, aber ehrlich gesagt sind die Zeiten vorbei – jedenfalls mit modernen Getrieben. Die schalten so schnell, da hast Du selbst als Profi keine Chance mehr.

Schreiber: Du sagst es aber immer wieder selbst, wenn auch durch die Blume: vorausgesetzt die Technik taugt. Das will ich ja gar nicht in Abrede stellen, aber diese Technik hat schon auch ihren Preis, oder? Hau´ mal die Karten auf den Tisch hier.

Seufert: (lacht) Na gut, standardmäßig gibt es den Komfort in den meisten Fällen noch nicht. Für ein gutes Automatikgetriebe sollte man schon mal einen niedrigen vierstelligen Preisaufschlag einplanen. Ich kann jedem, der mit dem Kauf eines Automatikwagens liebäugelt, nur empfehlen: vorher schlaumachen, welche Automatik-Variante da verbaut ist. Mit einem Direktschaltgetriebe macht man meiner Meinung nach nichts verkehrt.


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Schreiber: Wo wir schon bei harten Fakten und barem Geld sind: Ich glaube, es kursiert auch die ein oder andere „gefühlte Wahrheit“, gerade bei euch Technikenthusiasten. Zum Beispiel, dass Schaltwagen immer einen höheren Spritverbrauch hätten als die cleveren Automatikgetriebe, die allzeit bereit den passenden Gang einlegen. Aber das stimmt ja so einfach nicht. Schaltwagen zu fahren bedeutet ja nicht, dass man sein Auto immer bis in die heulenden Drehzahlen treten muss, im Gegenteil: Mit ein bisschen Übung fährt man verdammt sparsam!

Seufert: Da fühle ich mich leider angesprochen. In meinem Technikvertrauen bin ich immer davon ausgegangen, dass Automatikfahrzeuge grundsätzlich spritsparender seien als Schaltwagen, dabei ist das ja erst in der jüngeren Vergangenheit so geworden. Gerade die in den USA verbreiteten Wandler-Automatiken haben tendenziell sogar einen höheren Verbrauch. Ich möchte zwar betonen, dass mittlerweile viele Automatikgetriebe potenziell schon spritsparender schalten als mancher Fahrer. Pauschalisieren kann man das aber sicher nicht.

Schreiber: Genau, am Ende kommt es in jedem Fall auf die Fahrweise an. Wer ständig beschleunigt und in hohe Bereiche dreht, verbraucht nun mal mehr Treibstoff – da ist es dann egal ob die Gänge von Hand oder automatisch durchgejagt werden. Wie war das noch? „Grau is‘ im Leben alle Theorie – entscheidend is‘ hinter’m Steuer!“

Seufert: Das nenne ich mal frei zitiert, trifft es aber! Also den Aufpreis rein rechnerisch mit dem etwas geringeren Verbrauch zu rechtfertigen… das könnte tricky werden. Was für mich aber auch noch eine Rolle spielt: Ich kann mich im Automatikwagen echt besser auf den Straßenverkehr konzentrieren, weil ich die ganze Schalt-Thematik aus dem Kopf habe. Ich fahre entspannter und habe trotzdem das Gefühl, dass ich mehr mitbekomme.

Schreiber: Echt? Das empfinde ich überhaupt nicht so, eher andersherum. Gerade auf längeren Strecken fühle ich mich irgendwann total unterfordert und werde von der Monotonie hinterm Steuer eher müde. Nee, durchs Schalten bleibe ich am Ball und fahre deutlich aufmerksamer. „Füßchen rauf, Füßchen runter“ reicht mir da nicht.

Seufert: Also für mich ist es am Ende eine bewusste Entscheidung für den Komfort und ich denke, das sollte sie auch sein. Ich bin einfach eher der relaxte Typ und freu mich, wenn ich nicht groß schalten muss, sondern einfach fahren kann. Komm schon, da hat man die Hand frei fürs Radio! Ich habe das Gefühl, wir kommen heute wieder auf keinen grünen Zweig. Aber angenommen Geld würde keine Rolle spielen und du schlenderst einfach beim Händler deines Vertrauens über den Hof. Was für ein Auto nimmst Du? Hand aufs Herz!

Schreiber: Netter Versuch. Ich bleibe meinem Schaltgetriebe treu, auch mit dem nächsten Auto. Freut mich, dass Automatikwagen vielen Menschen im Alltag so viel Gelassenheit geben, aber diese Magie beim manuellen Fahren, die bleibt für mich unersetzbar. 

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Fazit – Mensch und Maschine auf einer Wellenlänge.

Mit reiner Vernunft lässt sich nicht entscheiden, welche Getriebeart nun besser ist als die andere – eine nüchterne Pro- und Kontraliste mit klarem Ergebnis ist hier kaum realisierbar. Dafür spielen zu viele unterschiedliche Faktoren eine Rolle, allen voran individuelle Aspekte wie etwa die Freude am Schalten oder auch das Fahrverhalten. Stand heute halten wir fest, dass weder ein manuelles Fahrzeug noch ein Automatikwagen seinen Konkurrenten wirklich aussticht. In Sachen Preis und klassischem Fahrgefühl hat der Schaltwagen die Nase vorn, geht es um Komfort und Gelassenheit, spricht vieles für die Automatik. Letztlich hilft nur: Ausprobieren! Wer weiß, vielleicht entdeckt der ein oder andere ja eine völlig ungeahnte Begeisterung.

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