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Das Magazin von Volkswagen Financial Services.
  • 02.10.2019
  • 4 Minuten

Achtung, Wildunfall! Runter vom Gas, hupen und Lenkrad gerade halten! 

Vor allem, wenn Sie auf dem Land großgeworden sind, kennen Sie das: Wildwechselschilder säumen den Wegesrand. Über mehrere hundert Meter oder gar ein paar Kilometer muss man dann gefasst sein auf ein Reh oder Wildschwein, das unvermittelt auf die Straße springt. Zugegeben, das ist keine besonders schöne Vorstellung. Aber es gibt Methoden, einen Wildunfall möglichst zu vermeiden. Welche das sind und was Sie tun müssen, wenn es dann doch mal passiert, erfahren Sie hier.

Illustration Auto auf Straße mit Wildwechsel

Trauriger Rekord: Zahl der gemeldeten Wildunfälle erreicht Höchststand.

Schaut man sich die Statistiken zu Wildunfällen zum Beispiel vom Deutschen Jagdverband (DJV) an, dann wird schnell klar, dass die Zahl der gemeldeten Unfälle mit Wildschweinen, Rehen und Co in der Tendenz steigt. Laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) wurden 2017 mit 275.000 so viele Wildunfälle wie noch nie gemeldet. Das waren 11.000 mehr als 2016. Und dabei kann man davon ausgehen, dass nicht jeder Wildunfall gemeldet wird. Die Dunkelziffer dürfte also noch höher sein.

Um die Zahl der Unfälle zu reduzieren, gibt es schon seit einer Weile kleine Helfer an stark betroffenen Strecken: Blaue Wildwarnreflektoren zum Beispiel sollen neben akustischen Wildwarnern die Tiere von der Straße fernhalten – ihre Wirkung ist allerdings umstritten. Außerdem gibt es Duftzäune, deren Anbringung allerdings recht aufwändig und kostenintensiv ist.

All diese Methoden werden sicherlich nie ganz verhindern, dass ein Tier auf die Straße springt, also sind Sie als Autofahrer gefragt: Seien Sie umsichtig und aufmerksam, damit Sie im Fall der Fälle richtig reagieren können.

Wildunfall: Wann ist die Gefahr am größten und was kann ich als Fahrer tun?

Wildunfälle sind bereits bei niedrigen Geschwindigkeiten gefährlich. Nehmen wir zum Beispiel an, ein Tier springt 60 Meter vor Ihnen auf die Fahrbahn. Bei Tempo 80 und sofortiger Reaktion kommen Sie gerade noch rechtzeitig zum Stehen, bevor es zum Zusammenstoß kommt. Zeigt Ihr Tacho aber Tempo 100 an, haben Sie laut ADAC und DJV schon einen Bremsweg von 79,2 Metern und erfassen das Tier mit einer Aufprallgeschwindigkeit von 61,1 km/h. Bei Tempo 110 beträgt der Bremsweg sogar 92,8 Meter, die Aufprallgeschwindigkeit dementsprechend 79,8 km/h. Ein nicht zu unterschätzender Aufprall also.

Wildunfälle können theoretisch immer und überall passieren, besondere Gefahrenzonen sind allerdings ausgeschildert. Das kennen Sie bestimmt. Aber gibt es neben den besonderen Orten auch besondere Zeiten, in denen die Gefahr größer ist? Ganz klar: ja! Rehe und Hirsche werden laut Deutschem Verkehrssicherheitsrat insbesondere in der Abend- und Morgendämmerung von den Grünflächen in der Nähe von Fahrbahnen angelockt. Da kann es schnell passieren, dass eines der Tiere auf die Straße springt. Außerdem werden Wildtiere laut DJV in den kalten Monaten vom Streusalz auf die Straßen gelockt. Und auch die Paarungszeit im Sommer birgt laut DJV ein größeres Risiko.

Generell sollten Sie in Gebieten vorsichtig sein, in denen sich Wälder und weitläufige Felder abwechseln. Auch auf neuen Straßen in Waldnähe ist mit Wildwechseln zu rechnen, da die Tiere die neuen Fahrbahnen wahrscheinlich noch nicht kennen. 

Je besser Ihnen das Verhalten von Wildtieren bekannt ist, desto eher vermeiden Sie Unfälle: Ihre Bewegungen sind oft recht abrupt und wenig berechenbar. Sie stürmen meist in vollem Lauf auf die Straße und bewegen sich häufig in Rudeln. Zudem können die Tiere die Entfernung zu Fahrzeugen vor allem in der Dunkelheit nicht richtig abschätzen. Das bedeutet: In der Regel haben Sie bei Wildwechsel wenig Zeit, um zu reagieren.

Es empfiehlt sich daher auch, in Gebieten mit erhöhtem Wildwechsel nicht allzu schnell zu fahren – erst recht, wenn es morgens noch oder abends schon ein wenig dunkler ist. Im Allgemeinen werden in Gebieten mit erhöhtem Wildwechsel eine Geschwindigkeit von 60 km/h empfohlen. Fahren Sie generell umsichtig: Halten Sie möglichst immer beide Hände am Lenkrad und genügend Abstand zum Vordermann. Beobachten Sie außerdem die Umgebung rechts und links der Straße und rechnen Sie, sofern Sie ein Tier entdecken, immer mit einem Rudel.

Ein kleiner Tipp: Die Deutsche Wildtier Stiftung hat eine Liste mit sieben Regeln gegen Wildunfälle zusammengestellt. Es lohnt sich, sich diese immer wieder in Erinnerung zu rufen. Doch manchmal lässt sich bei aller Vorsicht ein Wildunfall nicht verhindern. Was können Sie dann tun, um Schlimmeres zu vermeiden?

Achtung, Wildwechsel! Was tun, wenn plötzlich ein Wildtier auf die Straße springt?

Wenn ein Reh oder Wildschwein auf die Straße springt und ein Aufprall droht, gilt vor allem erstmal eins: Drosseln Sie Ihre Geschwindigkeit! Aber vorsichtig. Wenn Sie bei einer Vollbremsung die Kontrolle über den Wagen verlieren, hilft Ihnen das wenig.

Darüber hinaus ist es sinnvoll zu hupen, um das Tier zu verscheuchen. Versuchen Sie außerdem entgegen aller Instinkte nicht auszuweichen. Halten Sie geradewegs auf das Tier zu und greifen Sie das Lenkrad fest. Auch ein Ausweichmanöver könnte Sie ins Schlingern bringen – vor allem, wenn es morgens noch kalt und damit oft auch glatt ist.

Und wenn es dann doch passiert und Sie ein Tier anfahren? Dann bewegen Sie Ihr Auto zunächst an den Straßenrand, schalten die Warnblinkanlage ein und sichern die Unfallstelle ab. Ganz wichtig: Fassen Sie das verletzte Tier nicht an. Es könnte tollwütig sein oder aggressiv reagieren. Ganz nebenbei gesagt ist es strafbar, aus welchen Gründen auch immer ein verletztes oder totes Wildtier mitzunehmen. Das gilt nämlich als Wilderei.

Benachrichtigen Sie im Anschluss die Polizei und geben Sie den Vorfall zu Protokoll. Im Normalfall rufen die Beamten auch gleich einen Förster, der sich um das verletzte Tier kümmert. Auf keinen Fall dürfen Sie die Unfallstelle einfach verlassen und das verletzte Tier liegen lassen. Das würde den Tatbestand der Tierquälerei erfüllen.

Während Sie auf Polizei und Förster warten, können Sie schonmal Fotos von der Unfallstelle und Ihrem Wagen machen. Das kann im Nachhinein die Schadenbearbeitung erleichtern.

Ein kleiner Hinweis: Lassen Sie die Unfallstelle bis zur erfolgten Beweisaufnahme unverändert und melden Sie den Schaden, bevor Sie Ihren Wagen reparieren lassen. Ihre Kfz-Versicherung braucht Nachweise für den beschriebenen Unfallhergang und die entstandenen Schäden, um den Schaden regulieren zu können. Am besten lassen Sie sich auch eine Wildunfallbescheinigung ausstellen. Das ist oftmals für die Regulierung sogar verpflichtend und kann entweder von der Polizei oder durch den Förster übernommen werden.

Tierschaden: Rehe nachts auf der Straße

Apropos Kfz-Versicherung: Was ist bei einem Wildunfall abgedeckt?

Bei Versicherten herrscht oft Unklarheit darüber, welche Schäden übernommen werden und welche nicht. Sind Sie unsicher, werfen Sie einen Blick in Ihre Versicherungsunterlagen und prüfen Sie, ob Wildunfälle abgedeckt werden. Grundsätzlich gibt es drei Kategorien von Kfz-Versicherungen, die jeweils unterschiedliche Schäden abdecken:

Die Kfz-Haftpflicht ist der absolute Basisschutz. Bei Unfällen mit Wildtieren reguliert sie nur Schäden, die anderen Verkehrsteilnehmern oder Objekten zugefügt werden. Das können zum Beispiel zerbeulte Leitplanken oder Verkehrsschilder sein. Schäden am eigenen Fahrzeug deckt die Kfz-Haftpflicht nicht ab. In dem Fall greifen die Teil- und Vollkaskoversicherung. Wie diese sich genau unterscheiden, lesen Sie in unserem Ratgeber.

Übrigens: Einen Wildunfall müssen Sie in der Regel immer beweisen. Dies kann durch Zeugen geschehen, über offensichtliche Spuren an Ihrem Wagen oder auch über die Wildunfallbescheinigung. Daher ist es auch wichtig, nach einem Wildunfall die Polizei zu informieren.

Respekt, aber keine Angst vorm Wildunfall.

Auch wenn Sie alle Tipps und Hinweise beachten, lässt sich ein Wildunfall nicht immer vermeiden. Allerdings fahren Sie in Gebieten mit häufigem Wildwechsel tendenziell sicherer, wenn Sie sich an unsere Ratschläge halten. Außerdem sind Sie auch für den Fall der Fälle besser gewappnet – und das erspart eine Menge Ärger. Rehe beobachtet man schließlich deutlich lieber lebendig und fröhlich springend auf einer Wiese, oder?

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