Das Magazin von Volkswagen Financial Services.
  • 28.02.2022
  • 7 Minuten

Simulierte Gefahr: Fahrsicherheitstraining in der Autostadt.

Mal mit dem Auto bis an die Grenzen gehen? Sein eigenes Fahrverhalten unter die Lupe nehmen? Für brenzlige Situationen trainieren? Wer ein bisschen Fahrspaß und Abenteuer abgreifen und dadurch gleichzeitig sicherer im Straßenverkehr unterwegs sein möchte, der fährt zum Beispiel in die Autostadt nach Wolfsburg.

Im automobilen Themenpark des Volkswagen Konzerns werden nämlich unterschiedliche Formate von Fahrsicherheitstrainings nach den Richtlinien des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) angeboten. Von anderthalbstündigen bis zu ganztägigen Trainings: Jeder mit Führerschein1 kann sich anmelden und dann entweder mit einem geliehenen oder seinem eigenen Fahrzeug über die Trainingsstrecke düsen. Unsere Reporterin hat es ausprobiert und ein anderthalbstündiges Training bei Fahrtrainer Paulo Duarte absolviert. Sie berichtet über ihre Erfahrungen.

Illustration Fahrsicherheitstraining

Fahrsicherheit steigern - Geschwindigkeitsrausch inklusive.

„Komm, das machen wir gleich noch mal, weil´s so schön war“, grinst Paulo Duarte mich an und ich drücke ohne zu zögern wieder aufs Gaspedal. Wie im Rausch düse ich zurück auf den Berg, von dem ich gerade schon einmal herunter geprescht bin. Über Funk sagt mir Paulo, ich solle ruhig noch ein paar km/h draufpacken im Vergleich zum letzten Versuch. Gesagt, getan: Ein paar Sekunden später brettere ich mit knapp 70 km/h auf mein Hindernis zu. Dass es nur ein Gummikegel ist, macht die Aufgabe nicht weniger aufregend. Schließlich ist die Straße, auf der ich gleich eine Vollbremsung hinlegen soll, mit einem speziellen, lackähnlichen, weißen Belag beschichtet, der ähnliche Fahrverhältnisse wie eine festgefahrene Schneedecke bietet. Aber das wird schon.

Ich bin mittlerweile gut in Übung und vollgepumpt mit Adrenalin. Das hier ist weder die erste noch die letzte Trainingsetappe für heute – insgesamt stehen drei Einheiten mit verschiedenen Übungen auf dem Plan. Aber fangen wir von vorne an – wie es sich gehört.

Erstes Sicherheitstraining: Vollbremsung auf griffiger und glatter Fahrbahn.

Als ich Paulo heute Mittag zum ersten Mal treffe, ist eines sofort klar: Der Mann brennt für seinen Job. Der Fahrtrainer hatte schon immer ein Faible für Autos und insbesondere für Offroadfahrten. Daher entschloss er sich, 2002 den Trainerschein für Fahrsicherheitstrainings zu machen. Zunächst stieg er mit den klassischen Pkw-Trainings ein. Seit 2017 gibt er zusätzlich Motorrad- und seit 2020 auch Transporter-Sicherheitstrainings in der Autostadt. Man kann also mit Fug und Recht behaupten: Der Mann kennt sich aus auf dem Asphalt. So jemanden hat man doch gerne als Mentor in Sicherheitsfragen an seiner Seite.

Während ich noch überlege, ob ich nicht ein wenig aufgeregter sein sollte, erklärt Paulo mir unsere heutige Mission – und damit meint er meine Mission. Denn wie sich herausstellt, werde ich das Training alleine im Wagen sitzend absolvieren – mit Paulos Unterstützung über Funk. Okay, kein Fahrtrainer-Backup also, das mich retten könnte. Aber dafür viele hilfreiche Worte und Erklärungen im Vorfeld: „Die meisten Übungen beim Fahrsicherheitstraining haben auch ganz viel mit Überwindung zu tun. Es ist immer eine Herausforderung, die Teilnehmer dazu zu bringen, dass sie wirklich trainieren. Verständlich: Du fährst da immerhin mit 80 km/h auf ein Hindernis zu und willst das gar nicht.“ Und da ist sie dann doch die Aufregung. Angenehm belebend pocht sie mir in den Hals. Das Schwierigste sei es, bei erfahrenen Autofahrern die über Jahre angelernten Muster wegzutrainieren, sagt Paulo und ich, die sich eben noch sorglos auf ihre 20 Jahre Fahrerfahrung verlassen hat, fühle mich ertappt. Fahranfänger seien da deutlich aufnahmefähiger, dafür aber auch vorsichtiger und unsicherer, fügt Paulo hinzu.

Aber egal, welcher Trainee da auftauche – für jeden sei es wertvoll, das Fahrsicherheitstraining voll und ganz auszukosten. Immerhin könne man die Gefahrensituationen im Sicherheitstraining in einem geschützten Umfeld mehrfach durchleben. Darüber kann man ein Gefühl dafür bekommen, wie ein Wagen in brenzligen Momenten reagiert und so seine eigenen Reaktionen für den Fall der Fälle schulen. Das möchte ich auch. Ich freue mich, heute eine Schippe aufs Erfahrungsrepertoire draufzuschaufeln und Paulo vermittelt mir genau das Maß an Sicherheitsgefühl, das ich für mein Fahrtraining gebrauchen kann. Funkbarriere hin oder her.


Die Kfz-Versicherung.

Versicherungsschutz nach Bedarf: Wählen Sie zwischen drei verschiedenen Produktvarianten genau die Versicherung, die zu Ihnen passt. Jetzt online informieren und Haftpflicht, Teilkasko oder Vollkasko abschließen.

Mehr zur Kfz-Versicherung

Mein Training absolviere ich in einem Volkswagen ID.3. Darüber freue ich mich, denn schon im Rahmen einer früheren Testfahrt entdeckte ich mein Faible für das Elektro-Fahrgefühl. Ich mache mich schnell mit dem neuen Fahrzeug vertraut und erkunde dann – Paulos Van folgend – die Trainingsstrecke. Über Funk erklärt mir der Fahrtrainer alles. Hier die Strecke mit dem griffigen Asphalt, die zur Reifenschonung leicht bewässert wird. Daneben die simulierte plattgefahrene Schneedecke. Zwischendrin Düsen für Wasserfontänen. Und dort hinten am Berg haben wir die Metallplatte zum Anfahren auf rutschigem Untergrund.

Einmal wenden und los geht’s mit der ersten Trainingssession: Zu Beginn des Fahrsicherheitstrainings in der Autostadt steht eine klassische Bremsübung an. Hat man so oder so ähnlich schon mal in der Fahrschule gemacht. Mal kurz angebremst auf freier Strecke – niemand hinter uns? Gut dann mal eben vorsichtig eine Vollbremsung testen. Alles nicht vergleichbar mit diesem Testszenario. Dementsprechend verläuft mein erster Versuch noch recht schüchtern. Das wird sogleich über Funk kommentiert: Schneller! Doller! Nochmal! Paulo wird seiner Rolle gerecht und erreicht das, was ein guter Trainer erreichen sollte: Er treibt mich an meine Grenzen und darüber hinaus. Der ID.3 dankt es ihm und mir mit einem ruckelnden Tanz. Ganz normal, wird mir erklärt. Ein klares Zeichen dafür, dass das ABS tut, was es tun soll.

Die klassische Vollbremsung übe ich auf zwei verschiedenen Untergründen: griffig und glatt. Wie man sich denken kann, ist der Bremsweg bei der zweiten Variante länger als bei der ersten. Und dennoch: Das ganze Bremsmanöver – egal auf welchem Untergrund ist deutlich stabiler als befürchtet. Der Wagen unterstützt mich – ich muss mich nur noch trauen, ordentlich auf die Bremse zu drücken. Und auch auf ihr zu bleiben. Paulo weiß: „Viele haben sich so eine abgehackte Bremsung angewöhnt, bei der sie immer wieder das Bremspedal loslassen.“ Ob nun, weil es einem bei früheren Autos ohne Fahrerassistenzsysteme mal so beigebracht wurde oder weil man sich vor dem Rattern erschrickt: Stotternd bremsen ist out. Merk ich mir. Paulo fügt hinzu, dass hier beim Fahrsicherheitstraining wohl auch ein psychologischer Effekt mitspielt. Schließlich sehe man ja kein Hindernis und verspüre daher eine entsprechend geringe intrinsische Motivation zum radikalen Bremsvorgang. Okay, das sind meine Worte. Der Fahrtrainer hat es etwas anders ausgedrückt. Kein Hindernis, kein Bremsbedürfnis eben… Sie verstehen, was ich meine?

Übrigens: Meinen Triumph angesichts meines verhältnismäßig kurzen Bremswegs muss Paulo gleich ein bisschen dämpfen. Ich solle mich bitte auch zukünftig immer an die halbe Tacholänge Abstand halten. Dass ich schneller zum Stehen kam, hat also nichts mit meinem überaus großen Bremstalent zu tun, sondern schlicht und einfach damit, dass ich vorbereitet war. Im echten Verkehrsleben weiß man schließlich selten, wann und wo ein Hindernis auftaucht und muss daher immer auch die Reaktionszeit mit hinzurechnen.

In diesem Sinne: auf zur nächsten Trainingseinheit…

Zweites Sicherheitstraining: bremsend ausweichen.

„Du machst eine Vollbremsung, lenkst ein und bremst einfach an dem Hindernis vorbei!“ Ehm, bitte was? Wie soll das denn gehen? Es muss! Und zwar für den Fall, dass man auch mit der perfektesten Vollbremsung nicht mehr rechtzeitig vor einem Hindernis zum Stehen kommen kann. Weil man zu schnell ist. Oder weil das Hindernis zu plötzlich auftaucht. Oder beides. Paulo nennt das Zeit-Weg-Problem.

Und damit sind wir wieder bei unserer anfänglichen Szene. Gut gebrieft düse ich den Berg hinunter. Das Hindernis fest anvisiert, fahre ich überzeugt darauf zu, haue an einer bestimmten Fahrbahnmarkierung meinen rechten Fuß auf das Bremspedal und spule das besprochene Programm ab: Hände locker am Lenkrad, Blick entschlossen in die Richtung, in der ich nach meinem Bremsmanöver landen möchte und los! Eine Lenkung links am Verkehrskegel vorbei, eine sanfte Lenkung zurück nach rechts und auf zum sicheren Ziel. Der Wagen schlittert, kämpft, aber er gehorcht. Vorbeibremsen gelungen. Das schnelle Warnblinklicht zeigt mir, dass der proaktive Insassenschutz angesprungen ist. Das heißt, dass während des Bremsmanövers mein Gurt automatisch straffgezogen worden sein muss. Habe ich vor lauter Konzentration nicht mal gemerkt.

„Oh weh, jetzt hast du den Wagen kaputt gemacht!“, beschwert sich Paulo angesichts des blinkenden Autos über Funk und man hört sein Schmunzeln auch durch den knarzenden, kleinen Lautsprecher. Ich fühle mich derweil, als hätte ich grade den Sieg bei einer Rallye-Etappe eingefahren und bin bereit für Teil 3 meines Fahrsicherheitstrainings.

Fahrsicherheitstraining in der Autostadt mit dem Volkswagen ID.3

Fotografin: Anja Weber

Drittes Sicherheitstraining: Spontan auftretenden Hindernissen ausweichen.

Nach den diversen Brems- und Ausweichmanövern, geht es nun an die Königsdisziplin: Ich soll spontan in die Luft schießenden Wasserfontänen ausweichen. „Wir nennen das Stau-Ende!“ lacht Paulo, während er mit zeigt, wie drei Fontänen gleichzeitig in die Luft rasen und dadurch die komplette Straßenbreite einnehmen. Ich werde in der folgenden Übung mehrfach mit verschiedenen Geschwindigkeiten über eine Fläche mit Wasserdüsen fahren. Per Zufallsgenerator springen dabei verschiedene Wasserfontänen an, denen ich ausweichen soll. Manchmal allerdings wird mir auch nichts anderes übrigbleiben, als mich ihnen in Vollbremsung zu ergeben. Bei besagtem Stau-Ende nämlich. Während ich den lustigen Wasserspielen zuschaue, die Paulo zur Veranschaulichung in die Luft regnen lässt, breitet sich endgültig ein lampenfieberartiges Gefühl in der Magenregion aus. Als es sich dann irgendwo zwischen Nervosität und Vorfreude einpendelt, fühle ich mich wie in der Achterbahn, kurz bevor sich die Wagen ruckend in Bewegung setzen.

Im Gegensatz zur Achterbahn sitzt mein Wagen hier aber nicht auf Schienen und es liegt ganz und gar in meiner Hand, ob ich triumphierend an den tropfenden Hindernissen vorbeiziehe oder im Monsun untergehe. Die ersten Versuche glücken erstaunlich gut – links, rechts, links lenkend führe ich kleine entspannte Tänze mit dem Volkswagen ID.3 aus und bin schon siegessicher. Doch irgendwann meint es der Zufallsgenerator nicht mehr ganz so gut mit mir – links, rechts, Stau-Ende! Argh. Ich komme mir vor wie im Autoscooter – verfolgt von mehreren Wagen crashwütiger Jugendlicher.

Als schließlich ein kleiner Reigen aus plötzlich und kurz hintereinander hochschießenden Fontänen mich choreografisch geschickt von links und rechts in die Mangel nimmt und ich schließlich mitten auf einer Staufontäne zum Stehen komme, ertönt Paulos Funklache. Bevor ich beleidigt sein kann, schiebt der Fahrtrainer schnell aufrichtig hinterher: „Das war aber auch gemein!“ Danke. Fiese Fontänen! Aber ich soll hier ja schließlich trainieren…

Sicherheit lernen mit Abenteuerfaktor.

Nervös, abenteuerlustig, euphorisch: Die Teilnehmer kommen laut Paulo mit den unterschiedlichsten Emotionen zum Fahrsicherheitstraining in die Autostadt. Und die meisten von ihnen gehen mit einem großen Set an neuen Erfahrungen. Genauso wie ich. Mal wollte ich jubelnd schreien. Mal blieb mir latent die Spucke weg. Was wie der Besuch im Freizeitpark klingt, war am Ende vor allem eines: lehrreich. So sehr, dass ich mich frage, warum ein solches Sicherheitstraining nicht Bestandteil einer jeden Führerscheinprüfung ist. Probieren Sie es doch auch einmal aus!

Auch interessant:

Illustration Offroadtouren

Auto & Mobilität

Offroad-Tour – die Lust am Abenteuer.

Mit einem Geländewagen durch die Wildnis – wenn das nicht Freiheit ist! Eine so abenteuerliche Unternehmung bedarf ein paar Vorkenntnisse und zwar sowohl in Sachen Fahrzeug als auch Fahrweise. Schauen wir uns das mal an!

  • 28.02.2022
  • 5 Minuten
Audi RS Q e-tron fährt auf der Rallye Dakar 2022

Auto & Mobilität

Rallye fahren: Audi-Pilot Carlos Sainz im Gespräch.

Die Rallye Dakar ist eine der bedeutendsten Rallyes der Welt. 2022 nahm erstmalig Audi mit einem Elektrofahrzeug teil. Audifahrer Carlos Sainz erzählt, worauf es bei dem Wüstenabenteuer ankommt und was es ihm bedeutet.

  • 28.02.2022
  • 7 Minuten
2018.08.23._Mobility_Stock_46.jpg

Produktinformationen

Das Auto Abo.

Fahren Sie immer ein top gepflegtes Auto – und bleiben Sie trotzdem flexibel: mit dem Auto Abo zum monatlichen Festpreis. Jetzt mehr erfahren!