Der Service ist zur Zeit leider nicht verfügbar. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

Das Magazin von Volkswagen Financial Services.
  • 28.05.2020
  • 7 Minuten

Das Fahrrad zum E-Bike nachrüsten – lohnt sich das?

Philipp.Walczak_EBIKE-SOLUTIONS

Fotograf: David Gnad

„Und das hier ist die Küche. Aber hier bleiben wir nicht“, erzählt mir David Gnad, der mich per Videochat durch die Räumlichkeiten führt. Wir sind auf der Suche nach Philipp Walczak, einem der Geschäftsführer der Electric Bike Solutions GmbH (E-Bike-Solutions) in Heidelberg. Mit ihm möchte ich über das Nachrüsten von Fahrrädern zu E-Bikes sprechen – denn das Team von E-Bike-Solutions hat sich genau darauf spezialisiert.

Diese Expertise möchte ich nutzen und mit Philipp Walczak besprechen, wie man sein eigenes Zweirad zum Elektroflitzer umrüsten kann und ob sich das im Vergleich zum Kauf eines neuen E-Bikes lohnt. Aber dafür müssen wir ihn erstmal finden … Da ich nur virtuell anwesend sein kann, bin ich darauf angewiesen, dass David Gnad mich über sein Smartphone „mitnimmt“ – so ist das eben in Coronazeiten. Wir kommen noch am Lager und an sehr vielen Schrauben in verschiedenen Kisten vorbei, bevor wir bei Walczak ankommen. Nach einer – natürlich – kontaktlosen Begrüßung gehen wir gemeinsam in die Fahrradwerkstatt. 

Ein wichtiger Unterschied vorweg.

Wenn Sie an ein E-Bike denken, haben Sie vermutlich ein Fahrrad vor Augen, mit dem Sie ganz normal radeln können, das Ihnen aber bei Bedarf auch elektrische Unterstützung beim Treten gibt. Genau genommen meinen Sie in diesem Fall ein Pedelec. Ein Pedelec treiben Sie wie ein „normales“ Fahrrad mit Muskelkraft an – der Elektromotor unterstützt Sie beim Treten bis zu einer Geschwindigkeit von bis zu 25 km/h. Dabei darf er laut § 1 Abs. 3 StVG  eine so genannte Nenndauerleistung, also durchschnittliche Leistung, von maximal 250 Watt haben. Somit gelten Pedelecs rechtlich als Fahrräder – Sie brauchen also keinen speziellen Führerschein und dürfen Radwege benutzen.

Mit den eigentlichen E-Bikes verhält es sich allerdings etwas anders: Sie können rein elektrisch fahren, also ohne, dass Sie selbst in die Pedale treten müssen. Das klingt natürlich angenehm. Allerdings dürfen Sie ein richtiges E-Bike nur mit Betriebserlaubnis und Versicherung fahren. Radwege sind mit dem E-Bike tabu und es besteht eine Helmpflicht.

Aber egal ob E-Bike oder Pedelec – umrüsten können Sie Ihr Fahrrad zu beidem, weiß Philipp Walczak:  „Technisch ist beides möglich und einige unserer Kunden lassen ihr Fahrrad tatsächlich zum E-Bike umrüsten. Um das im Straßenverkehr nutzen zu können, brauchen sie dann aber eine Betriebserlaubnis. Die meisten entscheiden sich daher für ein Pedelec, weil sie das dann auch im Straßenverkehr noch wie ein normales Fahrrad nutzen können – ohne Betriebserlaubnis und so.“ Aber lässt sich denn auch jedes beliebige Fahrrad zum E-Bike oder Pedelec umbauen?

E-Bike Solutions umgerüstetes Fahrrad

Fotograf: Till Dellisch

Fast jedes Fahrrad kann ein E-Bike werden.

Ob Cityrad, Mountainbike, Lasten- oder Faltrad – die meisten Fahrräder haben das Potenzial, zum E-Bike oder Pedelec umgebaut zu werden. „So um die 80 % aller Fahrräder eignen sich für den Umbau“, schätzt Walczak. Aber man müsse sich natürlich jedes Fahrrad individuell anschauen und die Möglichkeiten ausloten, erklärt er. Und der 37-Jährige hat ein Auge für umbaufähige Fahrräder: Seit zehn Jahren rüstet er in seiner Firma E-Bike-Solutions Fahrräder um. Die Idee dazu kam ihm aus der Not heraus: „Ich war 2008 in San Francisco zum Studieren und habe mir dort ein Fahrrad gekauft, um zur Uni zu fahren. Aber die Berge waren da doch etwas steiler, als ich mir das so vorgestellt hatte“, erzählt er lachend.

Um die Berge von San Francisco dennoch mit dem Rad bewältigen zu können, habe er gebastelt und getüftelt, bis er einen Weg gefunden hatte, das Rad nachträglich zu „elektrifizieren“. Und die Idee ist nach dem Studium mit nach Deutschland gekommen, wo Walczak mit seinem damaligen Mitbewohner und jetzigem Geschäftspartner E-Bike-Solutions gründete. Hier kann man nun mit jedem Fahrrad vorstellig werden und bei Eignung ein elektrisches Upgrade erhalten.

Und wonach schaut der Umrüst-Profi so, wenn ein Fahrrad zu ihm kommt? „Ich schaue mir hauptsächlich die Stabilität des Rahmens und den Wartungs- und Pflegezustand an – auch ein 20 Jahre altes Rad kann sich noch eignen, solange der Rahmen nicht verrostet und das Fahrrad allgemein gut in Schuss ist“, erklärt Philip Walczak. Hat das Rad die Aufnahmeprüfung bestanden, kann die Verwandlung zum E-Bike oder Pedelec beginnen.

e-Bike Solutions Fahrrad wird zum E-Bike umgerüstet

Fotograf: Christian Buck / ch-buck.de

Was beim elektrisierenden Umbau passiert.

Bevor die Schrauberei losgeht, muss entschieden werden, wo die Komponenten für den Elektroantrieb am Fahrrad untergebracht werden können. Und welche Teile sind das genau? Grundlegend braucht der E-Bike-Anwärter einen Motor und einen Akku mit Controller, der reguliert, wie viel Energie der Akku an den Motor überträgt. Dann kommt noch ein Tretsensor dazu, der erkennt, wenn Sie in die Pedale treten und dann den Elektroantrieb freigibt. Und schließlich braucht es noch ein Display am Fahrradlenker, über das Sie unter anderem die Unterstützungsstufe des Motors einstellen können – also regulieren, wie stark Sie beim Treten unterstützt werden wollen. Um zu entscheiden, wo er diese Komponenten schließlich platziert, schaut sich Philip Walczak die Rahmengeometrie des Rades genau an:

Für den Motor gibt es drei mögliche Positionen am Fahrrad: in der Radnabe des Vorderrads (Vorderradmotor), am Tretlager (Mittelmotor) und in der Radnabe des Hinterrads (Hinterradmotor). Wenn man sein Fahrrad zum E-Bike oder Pedelec umrüsten möchte, ist es meist sinnvoll und am einfachsten, das Vorder- oder Hinterrad gegen eines mit integriertem Nabenmotor auszutauschen. „Räder mit Nabenmotor sind für fast alle Modelle erhältlich – da rentiert es sich eigentlich nicht, das alte Vorder- oder Hinterrad umzurüsten“, erklärt Walczak und deutet auf die Vorderradnabe eines von ihm umgerüsteten Pedelecs. Wenn man es nicht weiß, sieht man kaum, dass sich in diesem Rad ein Motor befindet.

„Man muss individuell gucken, wo bei welchem Fahrrad am besten der Motor hinkommt“ – hat das Rad zum Beispiel vorne eine Federgabel wie oft beim Mountainbike, wird es eher kein Vorderradmotor, weil Federgabeln in der Regel nicht auf die Mehrbelastung durch den Motor ausgelegt sind. Ist dagegen eine Nabenschaltung vorhanden, würde man mit einem Hinterradmotor die Gangschaltung verlieren und sich für eine der beiden anderen Motorenarten entscheiden.

Für die Platzierung des Akkus gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder er lässt sich am Fahrradrahmen befestigen oder nicht. Ist am Rahmen kein Platz – zum Beispiel, wenn das Fahrrad einen tiefen Einstieg hat – kommt der Akku an den Gepäckträger. Ist kein Gepäckträger da, kann man den Akku auch mit einer Halterung an der Sattelstütze befestigen.

Nun noch schnell Tretsensor und Display anbringen und alles miteinander verkabeln – schon ist das E-Bike oder Pedelec abfahrbereit. Klingt, als würde das ganze Umrüsten relativ schnell gehen, oder?

Selbermacher haben Spaß am Umbau.

E-Bike-Solutions baut die Fahrräder der Kunden auf Wunsch zum E-Bike oder Pedelec um. Selbermacher bräuchten für den Umbau in der Regel einen kompletten Tag, schätzt Walczak. Aber vielen gehe es gar nicht darum, einfach nur schnell fertig zu werden. Sie haben Spaß am Schrauben und lassen sich dafür gerne Zeit.

Aber auch wenn man alle Zeit der Welt hätte: Braucht man nicht ein gewisses Vorwissen, um ein Fahrrad zum E-Bike oder Pedelec zu machen? „Man muss kein ausgebildeter Fahrradmechaniker sein, um ein Fahrrad umzurüsten. Wer schon mal einen Fahrradschlauch gewechselt oder am Drahtesel ein Rad ausgetauscht hat – oder sich das wenigstens zutrauen würde – der kann mit der richtigen Anleitung auch ein Pedelec aus seinem Fahrrad machen“, meint Philipp Walczak.

Wenn Walczak und seine Kollegen dagegen den Umbau übernehmen, „dauert das Umrüsten so drei bis acht Stunden, je nachdem, wie hoch der ästhetische Anspruch des Kunden ist – man kann zum Beispiel die Verkabelung mal eben schnell mit Kabelbindern festziehen. Dann sind sie in der Gesamtoptik etwas auffälliger. Man kann Sie aber auch ganz akribisch am Rahmen verlegen“, erklärt Walczak und wechselt kurz vom Selfie- in den normalen Kameramodus, um die sauber verlegten Kabel an einem seiner umgerüsteten Fahrräder ins Bild zu bringen.


Finden Sie die passende E-Bike-Finanzierung.

Egal, ob Sie Ihr Fahrrad umrüsten möchten oder von einem nagelneuen Pedelec oder E-Bike träumen – der Rahmenkredit der Volkswagen Bank bietet optimale Bedingungen für die Finanzierung Ihres Elektrorads. So steht der Elektrifizierung nichts mehr im Wege!

Zum Rahmenkredit

Wann sich ein umgerüstetes Fahrrad lohnt.

Ok, man kann also fast jedes Fahrrad zum Pedelec oder E-Bike umrüsten, der Umbau kann je nach Anspruch relativ schnell gehen und man kann ihn sogar selber vornehmen. Klingt erstmal, als würde sich der Umbau lohnen. Was man allerdings nicht vergessen darf, ist, dass so ein „normales“ Fahrrad nicht grundsätzlich für einen Umbau geeignet ist. Auch wenn der Fahrradrahmen stabil wirkt, ist nicht gesichert, dass er der zusätzlichen Belastung durch das Gewicht der Antriebsteile auf Dauer gewachsen ist, gibt der ADFC zu bedenken.

Fertige Pedelecs oder E-Bikes dagegen sind „von Geburt an“ für ihren Elektroantrieb designt und entsprechend kräftiger gebaut. Hier wird die benötigte Verkabelung auch direkt bei der Produktion innerhalb des Rahmens verlegt. Beim umgebauten Fahrrad liegen die Kabel in der Regel außen am Rahmen und sind damit weniger gut geschützt – also anfälliger für Defekte. Was spricht also trotzdem für einen Umbau?

Philipp Walczak, dessen Idee eines nachträglich elektrifizierten Fahrrads ja der Ursprung von E-Bike-Solutions war, besitzt natürlich auch selber mehrere Fahrräder, sowohl elektrische als auch nicht-elektrische. „Wobei die elektrischen natürlich überwiegen – da hab ich auch Falträder, Lastenräder und Liegefahrräder. Alle selbst nachgerüstet versteht sich“, schmunzelt der 37-Jährige. Er ist überzeugt, dass das Nachrüsten in vielerlei Hinsicht besser ist als ein Fertig-E-Bike zu kaufen. Vor allem der ökologische Aspekt sei zu berücksichtigen: Wer sein Fahrrad zum Pedelec oder E-Bike umrüstet, kann Ressourcenverschwendung vermeiden. Außerdem könne das bisherige Fahrrad ja auch ein richtiger Schatz sein: Ist es ergonomisch gut angepasst und harmoniert perfekt mit Ihren Fahrgewohnheiten, wäre das Umrüsten sicherlich ein guter Kompromiss zwischen dem Behalten des guten Fahrrads und dem Wunsch nach elektrischer Fahrunterstützung: Sie geben Ihrem alten Schätzchen mit einer Elektrifizierung einfach neuen Schwung.

Und wenn Sie es richtig angehen, dann ist die Umrüstung in der Regel günstiger als der Kauf eines gleichwertigen, neuen E-Bikes. Und ein weiterer Vorteil der Umrüstung ist, dass Sie tendenziell flexibler im Verbauen von Ersatzteilen sind. Bei den fertig gekauften E-Bikes können Sie nämlich oft nur tendenziell teurere Originalteile verbauen, da andere Teile nicht immer kompatibel sind und durch ihren Einbau auch die Herstellergarantie des E-Bikes oder Pedelecs erlöschen kann.

Letztendlich heißt es also abwägen. Ist das Fahrrad stabil genug, um zum Pedelec oder E-Bike umgerüstet zu werden? Gibt der Fachmann hier grünes Licht, kann der Umbau eine gute, individuelle und nachhaltige Lösung sein, um sein Fahrrad nachträglich zu elektrifizieren. Ist das Rad nicht ganz so kräftig und Sie wollen auf Nummer sicher gehen, ist der Kauf eines fertigen Pedelecs oder E-Bikes vielleicht die bessere Wahl.

Illustration Fahrrad zum E-Bike umrüsten

Und jetzt: Elektrisch losradeln.

Egal, ob Sie ein fertiges E-Bike oder Pedelec kaufen oder Ihr eigenes Schätzchen nachträglich elektrifizieren:

Auf dem Weg zur Arbeit nehmen Sie mit Ihrem motorisierten Fahrrad jeden Hügel mit Leichtigkeit und kommen frisch und entspannt im Büro an – verbunden mit einem gewissen Stolz darüber, das Auto stehen gelassen und etwas für die Umwelt getan zu haben. Also – los geht’s!

Auch interessant:

Illustration Akku ist das Herzstück des E-Bikes

Auto & Mobilität

Der Akku – das Herzstück des E-Bikes.

Der Akku versorgt das E-Bike oder Pedelec mit Energie, die Sie beim Treten unterstützt. Mit der richtigen Pflege kann er lange durchhalten und unterwegs viel leisten. Lesen Sie hier, wie Sie Ihren E-Bike-Akku fit halten.

  • 28.05.2020
  • 6 Minuten
e_cargo_bike_mit box_e1-_e-zweira__der_illustration_zeichenfla__che_1.jpg

Auto & Mobilität

Elektromobilität auf zwei Rädern.

Elektro-Scooter, -Fahrräder, -Mofas und -Lastenräder. Egal ob zwei oder drei Räder: Die kleinen, schmalen Elektrofahrzeuge sind auf dem Vormarsch und ermöglichen die wendige Fortbewegung und entspanntes Parken vor allem in Großstädten. Ein Selbsterfahrungsbericht.

  • 25.05.2020
  • 4 Minuten
Paar mit Laptop in der Küche

Produktinformationen

Ratenkredit der Volkswagen Bank.

Egal, ob Sie Ihr Fahrrad umrüsten möchten oder von einem nagelneuen Pedelec oder E-Bike träumen – der Ratenkredit der Volkswagen Bank bietet optimale Bedingungen für die Finanzierung Ihres Elektrorads. So steht der Elektrifizierung nichts mehr im Wege!