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Das Magazin von Volkswagen Financial Services.
  • 11.10.2018
  • 5 Minuten

Freiheit versus Sicherheit: Was spricht für eine Selbstständigkeit und was dagegen?

Selbstständigkeit ist nicht für jeden etwas. Manche finden sie beängstigend: Sie bevorzugen die Zuverlässigkeit und Sicherheit einer Festanstellung. Andere atmen in der Selbstständigkeit auf und genießen es, arbeiten zu können, wie und wann sie wollen. Mehr über die Vor- und Nachteile des „Selbst und Ständig-Seins“ lesen Sie hier.

Selbstständiger Tischler rechnet und telefoniert

Sie haben sich dieses Jahr schon krankschreiben lassen und mussten deswegen nicht auf Ihren Verdienst verzichten? Am Monatsanfang wissen Sie genau, wie viel Geld auf Ihrem Konto eingehen wird? Das sind die Segen der Festanstellung. Aber Hand aufs Herz: Manchmal haben Sie doch auch schon davon geträumt, genau in Ihrem Rhythmus und auch mal abseits der Kernarbeitszeit zu arbeiten. Morgens etwas ausgiebiger frühstücken, dafür abends ein wenig länger am Schreibtisch sitzen? Sich nur die Aufträge aussuchen, auf die Sie auch Lust haben? Spontan einen Tag freinehmen, weil die Sonne scheint? Vielleicht sollten Sie sich ja selbstständig machen … Aber Achtung: Nur weil etwas wie Gold erscheint, glänzt es nicht unbedingt. Manchmal muss man ganz schön lange polieren. Soll heißen: Überlegen Sie gut, bevor Sie sich für eine selbstständige Tätigkeit oder Gründung eines Unternehmens entscheiden.

Die Kritik zuerst: Nachteile der Selbstständigkeit.

Durststrecken. Formalitäten, um die sich vorher andere gekümmert haben. Kein verlässlicher Feierabend. Das ist Alltag für Selbstständige und Gründer. „Gerade am Anfang war es echt schwer. Ich wollte mich etablieren, neue Kunden gewinnen und schon gewonnene nicht vergraulen. Also arbeitete ich oft bis in die Nacht und fand keine Ruhe.“ Valentin Großmeier* ist Antiquitätenhändler aus Leidenschaft. Der gelernte Restaurator eröffnete vor fünf Jahren ein kleines Geschäft in Süddeutschland. Mit der Existenzgründung entschied er sich ganz bewusst gegen eine Festanstellung: „Ich bin ein Freigeist und etwas chaotisch. Ich dachte, es wäre besser, mich nicht an einen Arbeitgeber und somit feste Vorgaben zu binden. Mir wäre es ohnehin schwergefallen, mich in so ein System einzufügen“, erklärt der 26-Jährige.

Wenn Großmeier an die Anfangszeit zurückdenkt, muss er ein wenig schmunzeln. Er sei zu Beginn noch sehr blauäugig gewesen. So habe er sich kaum über die Selbstständigkeit informiert und auch keine staatlichen Förderprogramme in Anspruch genommen. Für die Bewerbung des Unternehmens hätten ihm außerdem die nötigen Kenntnisse gefehlt und so habe er sich beim Marketing zu sehr auf Mund-zu-Mund-Propaganda verlassen.

Ein weiteres Problem war, dass die freie Arbeitseinteilung letztlich zur Überarbeitung führte: Eine 45-Stunden-Woche war üblich, manchmal arbeitete der 26-Jährige sich in seiner Werkstatt und im Laden sogar 60 Stunden zusammen. Die Quittung gab es prompt: „Nach anderthalb Jahren lag ich mit der dritten dicken Grippe flach und auf einmal ging gar nichts mehr. Das war nicht nur geschäftsschädigend, sondern brachte mich in eine auch gesundheitlich bedrohliche Lage.“

Da musste Großmeier schnell umdenken: Er suchte sich schließlich doch einen Job als angestellter Restaurator und verhandelte mit seinem Chef eine reduzierte Stundenzahl. Den Laden öffnet Großmeier nun nur noch an Freitagnachmittagen und Samstagen. „Ich arbeite weiterhin viel in meiner Werkstatt an den Antiquitäten, die ich verkaufen möchte – aber das macht mir Spaß und setzt mich nicht mehr so sehr unter Druck, da ich meinen Lebensunterhalt damit nicht verdienen muss.“ Mit den Einnahmen aus den Verkäufen – viele Käufer gewinnt er inzwischen auch über Online-Plattformen – kann Großmeier mittlerweile trotz stark eingedampfter Öffnungszeiten die Miete des Ladens decken und musste „sein Baby“ damit nicht aufgeben.

  • Name redaktionell geändert

Die Nachteile der Selbstständigkeit im Überblick:

  • Konfrontation mit neuen Aufgaben, die nicht den eigenen Kernkompetenzen entsprechen (Buchhaltung, Marketing etc.)
  • höhere psychische Belastung
  • kein festes bzw. geregeltes Einkommen
  • keine geregelten Arbeitszeiten
  • neue Abhängigkeiten möglich (z.B. von Kunden)
  • keine Absicherung durch den Arbeitgeber (z.B. im Krankheitsfall)
  • kaum Urlaub beziehungsweise oft Arbeit während des Urlaubs notwendig
Frau arbeitet von zu Hause

Das Gute zum Schluss: Vorteile der Selbstständigkeit.

„Ich verbinde große Freude mit meiner Selbstständigkeit“, sagt im Gegensatz dazu Katharina Guleikoff. Die freie Journalistin entschied sich vor einem Jahr für die freiberufliche Tätigkeit. Davor arbeitete sie als Redaktionsleiterin und Geschäftsführerin für kleinere norddeutsche Radiosender. Sie entschied sich ganz bewusst für die Selbstständigkeit, denn sie liebt es, selbst zu entscheiden, was sie wann tut.

„Die Frau mit der Stimme“, wie sie sich selbstbewusst nennt, arbeitet mittlerweile nicht mehr nur journalistisch, sondern auch als Moderatorin von Veranstaltungen, Sprecherin von zum Beispiel Hörbüchern und ist Podcasterin. Selbstständig gemacht hat sie sich mithilfe des Gründungszuschusses  der Bundesagentur für Arbeit. Dazu musste sie einen Businessplan aufstellen, der ihr sehr geholfen hat, vorausschauend zu planen. Die Journalistin hatte zwar nur wenige Ausgaben bei ihrer Existenzgründung – außer einem Mischpult, einem neuen Aufnahmegerät und einer Internetseite schlug nichts zu Buche. Dennoch war und ist es wichtig, Ein- und Ausgaben immer im Blick zu haben, um auch eventuelle Durststrecken stemmen zu können.

Eine weitere Investition in die eigene Zukunft nennt Guleikoff ihren eigenen Podcast „Vino mit dem Doc“, mit dem sie sich einen lange gehegten Traum erfüllt hat. Dafür hat sie sich Kenntnisse rund um das Thema Podcasting angelesen, einen Kurs besucht und „learning by doing“ ausgebaut. Mittlerweile produziert sie auch für andere Auftraggeber Podcasts.

Was die Journalistin insgesamt an ihrer Selbstständigkeit schätzt: Sie kann auch mal etwas Geld zurücklegen, um sich spontan eine kleine Auszeit zu nehmen – und ist dabei keinem Arbeitgeber Rechenschaft schuldig. „Allerdings bin ich natürlich auch in dieser Auszeit immer für meine Auftraggeber erreichbar. So ist es manchmal etwas schwierig, abzuschalten. Das ist auch ein Lernprozess. Insgesamt muss ich immer sehr viele Aufgaben und Lebensinhalte parallelisieren. Aber eigentlich hat es doch auch etwas Positives: Ich kann an den schönsten Orten der Welt arbeiten.“

Das sei einerseits spannend und inspirierend, erfordere aber andererseits auch ein hohes Maß an Disziplin und Selbstorganisation. Man müsse immer seinen Kalender und sein Telefon im Blick haben und blitzschnell umdenken können – je nachdem, um welche Tätigkeit es gehe oder welcher Anrufer welches Anliegen habe.  „Aber insgesamt habe ich ein Schweineglück, dass ich so arbeiten kann, wie ich arbeite. Ich habe genügend Aufträge, um mir aussuchen zu können, was ich annehme und was nicht. Ich werde wegen meiner tiefen Stimme zum Beispiel manchmal für erotische Hörbücher angefragt. Das möchte ich aber nicht machen“, sagt sie und schmunzelt.

Die Vorteile der Selbstständigkeit im Überblick:

  • Leidenschaften ausleben und eigene Ideen umsetzen
  • verschiedene Dinge gleichzeitig machen
  • frei einteilbare Arbeitszeiten
  • (weitestgehend) selbstständige und unabhängige Entscheidungen
  • Selbstdisziplin und -strukturierung werden gestärkt
  • Eigenverantwortung wird gefördert
  • Arbeitsort oft frei wählbar
  • Freizeit oftmals flexibel in den Alltag integrierbar
  • Erfolg hat in der Regel einen direkten Einfluss auf den Verdienst

Fazit.

Die Selbstständigkeit ist natürlich nicht für jeden etwas. Aus reiner Frustration aus dem aktuellen Job in die Selbstständigkeit zu fliehen, ist zum Beispiel in den seltensten Fällen eine gute Entscheidung. Der Wunsch nach mehr Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit hingegen kann ein guter Aufhänger sein.

Sollten Sie durch diesen Text Lust auf die Selbstständigkeit bekommen haben, schlafen Sie zur Sicherheit ein paar Nächte darüber und reden Sie mit vertrauten Personen. Wenn sich die Idee auch nach einigen Wochen und Gesprächen immer noch gut anfühlt: Wunderbar! Dann lesen Sie doch auch noch unsere weiteren Tipps zum Thema Selbstständigkeit und Existenzgründung. Klicken Sie dazu einfach auf die untenstehenden Links.

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