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Das Magazin von Volkswagen Financial Services.
  • 11.10.2018
  • 4 Minuten

Ein-Prozent-Regelung oder Fahrtenbuch – welche Variante ist die bessere?

Ein Firmenwagen ist eine wunderbare Sache. Besonders, wenn der Chef auch Privatfahrten mit dem Auto erlaubt. Weil der Arbeitgeber die Kosten für Anschaffung, Versicherung und Unterhalt übernimmt und der Arbeitnehmer daraus einen privaten Nutzen zieht, betrachtet das Finanzamt die Situation als einen Einkommensvorteil. Was genau das für Sie bedeutet, erfahren Sie hier.

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Geldwerte Vorteile bei privat genutzten Firmenfahrzeugen.

Auf den sogenannten "geldwerten Vorteil" muss der Fahrer nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 EStG Einkommenssteuer zahlen. Für diese Besteuerung hält der Fiskus zwei Methoden zur Auswahl vor: die Ein-Prozent-Regelung oder das Führen eines Fahrtenbuchs. Während erstere Methode den Listenpreis des Fahrzeugs zum Zeitpunkt der Erstzulassung pauschal als Berechnungsgrundlage nimmt, ermittelt das Fahrtenbuch die tatsächlichen Kosten aller Dienst- und Privatfahrten anhand von Kilometerangaben und allen für das Auto anfallenden Kosten, also den tatsächlichen geldwerten Vorteil.

Die Ein-Prozent-Regelung.

Bei der Ein-Prozent-Regelung handelt es sich um eine pauschale Bestimmung des privaten Nutzwertes. Wenn Sie sich dafür entscheiden, müssen Sie monatlich eine Steuer abführen, die auf den Bruttolistenpreis + Sonderausstattung anfällt. Das eine Prozent wird bei der Berechnung der Einkommenssteuer zum monatlichen Gehalt hinzu gerechnet und anschließend von dem Nettobezug wieder abgezogen.

Die Anwendung der Ein-Prozent-Regelung bzw. der pauschalen Nutzungswertmethode ist in § 8 Abs. 2, 3 und 5 EStG sowie R 8.1 Abs. 9 Nummer 1 LStR geregelt. Nähere Informationen dazu finden Sie in diesem Schreiben des Bundesministeriums für Finanzen vom 4. April 2018.

Veranschaulichen wir uns das Ganze an einem Beispiel:
Sie bekommen von Ihrem Arbeitgeber einen Firmenwagen mit einem Bruttolistenpreis von 23.000 Euro zur Verfügung gestellt. Die von Ihnen gewünschte Sonderausstattung des Fahrzeuges kostet 2500 Euro. In Summe schlägt der Wagen also mit einem Gesamtwert von 25.500 Euro zu Buche. Nach der Ein-Prozent-Regelung müssen Sie entsprechend pauschal 255 Euro pro Monat versteuern. Sie fahren nun täglich 20 Kilometer zur Arbeit. Diese Fahrten werden mit 0,03 Prozent des Gesamtwertes pro Kilometer und Monat veranschlagt – in Ihrem Fall sind das 153 Euro. Die monatlich zu versteuernde Summe beläuft sich also auf 408 Euro. Auf diesen Betrag müssen Sie Einkommenssteuer, Solidaritätszuschlag, eventuell Kirchensteuer und Sozialversicherungsbeiträge zahlen.

Gibt es auch Ausnahmen? 

Ja, die gibt es. Wenn Sie an maximal 14 Tagen pro Monat mit dem Dienstwagen zur Arbeit fahren, rechnen Sie nur mit 0,002 Prozent pro Kilometer. Wichtig ist hier, dass Sie dem Finanzamt Ihre tatsächlichen Arbeitstage pro Monat nachweisen.

Die Steuern fallen also umso geringer aus, je kürzer Ihr Weg zur Arbeit ist und je weniger Ihr Firmenwagen beim Kauf gekostet hat. Es ist dabei übrigens unerheblich, ob es sich um einen Neu- oder einen Gebrauchtwagen gehandelt hat.

Fahrtenbuch

So funktioniert ein Fahrtenbuch.

In einem Fahrtenbuch dokumentieren Sie all Ihre Fahrten. Wichtig ist dabei, dass Sie sehr genau vorgehen und die folgenden Angaben nicht vergessen:

  • Bei geschäftlichen Fahrten: Datum, Kilometerstand zu Beginn und Ende der Fahrt, Reiseziel, Fahrtroute, Grund der Fahrt, Name des besuchten Geschäftspartners
  • Bei privaten Fahrten: Kilometerzahl

Veranschaulichen wir uns das Ganze wieder an dem Beispiel von vorhin: Wie viel Steuern würden Sie zahlen, wenn Sie statt der Ein-Prozent-Regel das Fahrtenbuch nutzen?

Grundsätzlich gilt es im ersten Schritt herauszufinden, wie hoch Ihr Privatnutzungsanteil des Dienstwagens ist, denn dieser Anteil bildet die Berechnungsgrundlage für den geldwerten Vorteil. Nehmen wir an, Sie fahren mit dem Dienstwagen 10.000 Kilometer pro Jahr. Haben Sie davon 1.000 Kilometer privat verfahren, entspricht Ihr Privatnutzungsanteil 10 Prozent.

Diesen Anteil müssen Sie auf die Gesamtkosten des Dienstwagens anrechnen, um herauszufinden, wie hoch Ihr zu versteuernder geldwerter Vorteil ist. Und die Gesamtkosten ermitteln Sie so: In unserem Beispiel hatte Ihr Dienstwagen einen ursprünglichen Bruttolistenpreis von 23.000 Euro, Ihr Arbeitgeber hat ihn aber als Jahreswagen für 19.000 Euro gekauft. Im Gegensatz zu der Ein-Prozent-Regelung spielt dieser Wert bei der Fahrtenbuchmethode eine wichtige Rolle, denn einen Teil der Gesamtkosten stellt der jährliche Abschreibungsbetrag des Fahrzeuges dar. In der Regel werden Dienstwagen über sechs Jahre abgeschrieben – das entspricht 16,67 Prozent per anno. In unserem Beispiel müssten Sie also 3167 Euro als Abschreibungsbetrag ansetzen.

Um nun die jährlichen Gesamtkosten zu ermitteln, müssen Sie noch weitere Posten wie zum Beispiel laufende Betriebs- und Fixkosten (z. B. Kfz-Steuer, Versicherungen usw.) hinzurechnen. Wie hoch diese konkret im Einzelfall sind, müssen Sie als Firmenwagenfahrer für sich selbst ermitteln. Nehmen wir für unser Beispiel aber an, sie belaufen sich auf 5433 Euro. Damit hätten Sie anzusetzende Gesamtkosten von 8600 Euro pro Jahr. Und genau auf diese Gesamtkosten rechnen Sie Ihren Privatnutzungsanteil an und erhalten so Ihren steuerpflichtigen geldwerten Vorteil. In diesem Beispiel also 860 Euro per anno.

Ist ein Wechsel zwischen Fahrtenbuch und Ein-Prozent-Regelung möglich?

Ein Wechsel zwischen den beiden Methoden kann laut Urteil (Az.: VI R 35/12) des Bundesfinanzhofs in München immer nur zum Jahresbeginn erfolgen. Es sei denn, man bekommt in einem laufenden Jahr ein neues Auto. Übrigens: Bei Angestellten legt der Arbeitgeber zu Beginn eines jeden Jahres fest, nach welcher Methode versteuert wird. Wer, obwohl der Arbeitgeber die Ein-Prozent-Regelung beim Finanzamt angegeben hat, ein Fahrtenbuch führt und so zu viel gezahlte Beträge nachweisen kann, bekommt diese dann über den Lohnsteuerjahresausgleich zurück.

Die richtige Variante für sich finden.

Bei der Entscheidung für die Ein-Prozent-Regelung oder das Fahrtenbuch kommt es auf das individuelle Fahrverhalten an. Hier spielen vor allem die folgenden Faktoren eine Rolle:

  • Anzahl der gefahrenen Kilometer
  • Abschreibungsdauer in Jahren
  • Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsplatz
  • Veranschlagter Lohnsteuersatz
  • Gesamtkosten für Benzin, Versicherung und Wartung

Fazit: Wann lohnt sich was?

In den meisten Fällen gilt: Je mehr der Dienstwagen auch privat genutzt wird oder je niedriger der Wert des Autos ist, desto eher lohnt sich die Ein-Prozent-Methode. Andersherum sollten Sie sich eher für die Fahrtenbuch-Variante entscheiden, wenn der Wagen vorwiegend beruflich genutzt wird beziehungsweise einen hohen Wert hat.

Letztlich hängt es von vielen individuellen Faktoren ab, welche Methode für Sie am geeignetsten ist. Nutzen Sie zur genauen Berechnung am besten einen der im Internet angebotenen Rechner. 

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